Bundesamt für Naturschutz

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Biodiversität in Standards und Qualitätssiegeln für die Lebensmittelbranche

Aktionsfeld

Ergebnisse (vorher: Biologische Vielfalt im betrieblichen Umweltmanagement)

Beteiligte Akteure

  • Projektpartner: Bodensee Stiftung, Global Nature Fund
  • Expertengruppe bestehend aus Standardorganisationen, Auditoren, Unternehmen (REWE Group, Nestlé, Unilever, COOP, MIGRO)
  • Umweltorganisationen

Laufzeit

Die erste Phase des Projekts wurde von Juni 2013 bis März 2015 durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert sowie durch Verbändeförderung und die REWE Group unterstützt. Die Projektpartner werden das Vorhaben darüber hinaus fortsetzen.

Kurzbeschreibung

Bild: Patrick Trötschler, Bodensee Stiftung

Hintergrund

Mit der Initiative soll die Lebensmittelbranche motiviert werden, den Erhalt der biologischen Vielfalt stärker in ihren Anforderungen an Produkte zu verankern und die existierenden Standards und Qualitätssiegel entsprechend anzupassen. Auch Lebensmittelhersteller und der Lebensmittel-Einzelhandel mit eigenen Anforderungen an die Lieferkette werden angesprochen. 

Standards und Siegel haben eine Vorbildfunktion und Lenkwirkung und sollten im Rahmen ihrer Zertifizierungen den Schutz von Umwelt und Biodiversität über die gesetzlichen Vorgaben hinaus sicherstellen. Außerdem sind zertifizierte Unternehmen, die sich für den Schutz der biologischen Vielfalt engagieren, für zukünftige gesetzliche Vorgaben besser gewappnet und haben Wettbewerbsvorteile bei der wachsenden Konsumentengruppe, die ihr Kaufverhalten auch an ökologisch-sozialen Kriterien ausrichtet. 

Maßnahmen

In einer ersten Phase wurden die Kriterien von 19 Siegeln und Standards auf ihre Relevanz für den Schutz der biologischen Vielfalt analysiert. Außerdem untersuchten die Projektpartner, inwiefern die vorhandenen Kriterien wirklich an den kritischen Punkten ansetzen und wo dringender Handlungsbedarf bei der Weiterentwicklung der Standards und Siegel besteht. Die Ergebnisse wurden mit Vertretern von Standardorganisationen, Unternehmen und Umweltexperten diskutiert und in einem Baseline Report zusammengefasst. 

Im nächsten Schritt erarbeiteten Bodensee-Stiftung und Global Nature Fund Handlungsempfehlungen für die "Politik" der Standardorganisationen und für konkrete Kriterien zum Schutz der biologischen Vielfalt. Eine Arbeitsgruppe bestehend aus Vertretern der Standardorganisationen, der REWE Group und weiteren Unternehmen aus der Lebensmittelbranche, Zertifizierern und Umweltorganisationen unterstützte die Erarbeitung der Empfehlungen. Außerdem wurden diese in einem breit angelegten Stakeholder-Forum präsentiert und diskutiert. 

Die Empfehlungen umfassen Kriterien für das Biodiversitätsmanagement sowie eine sehr gute fachliche Praxis für mehr Biodiversität. Zum wirkungsvollen Management gehören der Schutz von primären und naturnahen Ökosystemen, eine Biodiversitäts-Risikoanalyse für landwirtschaftliche Flächen sowie einen aussagekräftigen Biodiversity Action Plan auf Betriebsebene mit messbaren Zielen, konkreten Maßnahmen zum Schutz von ökologischen Strukturen, von geschützten und gefährdeten Tierarten sowie Maßnahmen zur Förderung der Arten-, Sorten- und Strukturvielfalt. Die Vorgaben für einen Biodiversity Action Plan bezüglich der Struktur und Inhalte sollten von der Standardorganisation bzw. dem Unternehmen vorgegeben werden, um eine gute Qualität zu sichern. Wichtig ist auch die regelmäßige Überprüfung und Fortschreibung der Pläne. 

Die Autoren unterstreichen, dass die gute fachliche Praxis in der Landwirtschaft nicht ausreicht, um den Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen. Eine sehr gute fachliche Praxis ist gefragt, wenn es um die Bereiche Bodenschutz, Düngemanagement, Pflanzenschutz und Wassernutzung geht. Auch dazu liegen Handlungsempfehlungen vor. Der Schutz der biologischen Vielfalt ist komplex, d. h. Standardorganisationen und Unternehmen sollten Schulungsangebote für Berater und Auditoren, Produktmanager und Betriebe haben. Kooperationen mit Umweltorganisationen und Naturschutzbehörden sind zu empfehlen, denn sie haben das notwendige know how in Sachen Biodiversität in der Region. 

Umsetzung

Seit Juli 2014 werden die Handlungsempfehlungen über Branchenverbände und der Präsenz auf Messen bekannt gemacht. Weiterhin arbeiten der Global Nature Fund und die Bodensee Stiftung individuell mit Standardorganisationen sowie Unternehmen mit eigenen Labels und diskutieren konkrete Schritte zur Umsetzung der Empfehlungen. 

Basierend auf den Ergebnissen und zahlreichen Diskussionen haben die Projektpartner die Maßnahmen für eine zweite Phase erarbeitet: Trainingsmodule für Zertifizierer und Berater von landwirtschaftlichen Betrieben, die Umsetzung der empfohlenen Kriterien im Rahmen von Pilotprojekten und die Entwicklung eines standardübergreifenden Monitoringsystems, um die Wirkungen der Maßnahmen auf die Biodiversität zu erfassen und zu bewerten. Global Nature Fund, Bodensee Stiftung und weitere Partner in Spanien, Portugal und Frankreich haben einen Antrag im Rahmen des EU LIFE-Programms eingereicht. Weiterhin hat die Bodensee Stiftung im Januar 2016 gemeinsam mit dem Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz ein Pilotprojekt für mehr Biodiversität im Qualitätszeichen Baden-Württemberg initiiert. Es geht um Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt im Getreideanbau realisiert von landwirtschaftlichen Betrieben der Erzeugergemeinschaften Kraichgau-Korn und Linzgau-Korn.

Stand: März 2016

Kontakt

Marion Hammerl
Bodensee-Stiftung
Tel. +49  77 32 99 95 45