Bundesamt für Naturschutz

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Integration der Biodiversitätsauswirkungen in Ökobilanzen

Aktionsfeld

Ergebnisse (vorher: Biologische Vielfalt im betrieblichen Umweltmanagement)

Beteiligte Akteure

Projektleitung: Fraunhofer Institut für Bauphysik, Abteilung Ganzheitliche Bilanzierung, Dr. Jan Paul Lindner

Ziele

Ziel des Vorhabens war die Entwicklung einer in Ökobilanzen (gemäß ISO 14040 und ISO 14044) integrierbaren Methodik zur Bewertung von Biodiversitätsauswirkungen von Produkten. Diese branchen- und produktübergreifende Methodik sollte beispielhaft praxisbezogen mit Hilfe von Fallstudienunternehmen umgesetzt werden. Zur Einschätzung, für welche Produkte eine biodiversitätsbezogene Ökobilanz erstellt werden sollte, war ein einfach anwendbarer Schnelltest zu entwickeln. 

Kurzbeschreibung

Der Verlust von Lebensräumen und Arten ist in den letzten Jahren zu einem der zentralen Themen umweltpolitischen Handelns geworden. Auch die Wirtschaft wird zunehmend eingebunden. Viele Unternehmen engagieren sich schon jetzt. Zumeist bezieht sich das Engagement auf Ansätze, die nicht direkt mit dem Kerngeschäft verbunden und relativ einfach umzusetzen sind, wie z.B. Sponsoring von Naturschutzprojekten und ein angepasstes Liegenschaftsmanagement. Nur eine geringe Anzahl von Unternehmen berücksichtigt biologische Vielfalt entlang ihrer Wertschöpfungskette, da biologische Vielfalt aufgrund ihrer Komplexität durch eine Vielzahl von Methoden und mit Hilfe unterschiedlichster Indikatoren beschrieben, gemessen und bewertet wird. 


Sojaanbau in Brasilien, Bild: Fraunhofer IBP
Sojaanbau in Brasilien, Bild: Fraunhofer IBP

Überdies unterscheiden sich je nach biogeographischem und kulturellem Kontext die erforderlichen Maßnahmen zum Schutz der dortigen Biodiversität in ihrer Art und Dringlichkeit. Unternehmen, die die Auswirkungen ihres Wirtschaftens entlang ihrer Wertschöpfungskette erfassen und steuern möchten, stoßen angesichts dessen auf große Herausforderungen. Dennoch ist davon auszugehen, dass gerade diese tiefere Integration von Biodiversitätsschutz in das Unternehmensmanagement einen besonders großen Nutzen für die biologische Vielfalt hat. 


An dieser Stelle setzt die Methodik „Biodiversity Impact Assessment“ an, die im Projekt unter Leitung des Fraunhofer Instituts für Bauphysik (IBP) entwickelt wurde. Das „Biodiversity Impact Assessment“ ermöglicht es, Auswirkungen von Produkten auf die Biodiversität über deren Lebenszyklus quantitativ und regionsspezifisch zu ermitteln, darzustellen und in die Ökobilanz nach ISO 14040 und ISO 14044 zu integrieren. Ein vorgeschaltetes Screeningverfahren unterstützt bei der Wahl der zu analysierenden Prozesse bzw. Vorprodukte. 

Im Rahmen des „Biodiversity Impact Assessments“ wird das Potential einer Fläche für Biodiversität in einer Region beschrieben und ermittelt, genannt „Biodiversitätspotential“. Dies erfolgt anhand verschiedener, nicht zwingend vor Ort zu erhebender Parameter (z.B. Biomasseentnahme, Zulassen natürlicher Störungen, Düngemitteleinsatz), die basierend auf den regionalen Zielen für die dortige Biodiversität definiert werden. Die zur Beschreibung und Messung des Zustands der Biodiversität erforderlichen Parameter unterscheiden sich folglich je nach Region. Als regional spezifischer Referenzzustand wird diejenige Ausprägung der entsprechenden Parameter definiert, die für die Erreichung der regionalen Biodiversitätsziele am besten geeignet ist. Die Nutzung einer Fläche ändert die Ausprägung der Parameter und führt dadurch zu einem veränderten Biodiversitätspotential. Die Abweichung zum Referenzzustand ermöglicht es, die Wirkung des untersuchten Prozesses auf die biologische Vielfalt, also den verursachten Schaden oder Nutzen, abzubilden. Da sich Regionen in ihrer Bedeutung für die globale Biodiversität beispielsweise in Hinblick auf Artenzahl, Endemismus oder Empfindlichkeit unterscheiden, werden die Ergebnisse zu den Wirkungen auf die biologische Vielfalt in verschiedenen Regionen mithilfe eines Regionalfaktors zueinander ins Verhältnis gesetzt. Die so aggregierten und gewichteten Wirkungen werden auf die produzierten Produkteinheiten des Prozesses bezogen und ermöglichen so den Anschluss an die Ökobilanz.

Der entwickelte Ansatz wurde im Rahmen von Fallstudien für unterschiedliche Produkte getestet. In den Fallstudien wurde deutlich, dass die Methode grundsätzlich geeignet ist, positive und negative Wirkungen von Aktivitäten auf die Biodiversität abzubilden. Deutlich wurde dabei auch, dass es weiterer Entwicklung bedarf, um die Methode breit in der Ökobilanz einzusetzen. 

Eine Publikation wird derzeit erarbeitet.

Maßnahmen zur Zielerreichung

  • Entwicklung eines qualitativen Screenings zur Identifikation von Elementen der Wertschöpfungskette, die von besonderer Relevanz für die biologische Vielfalt sind.

  • Entwicklung einer Methode zur Abschätzung der Biodiversitätswirkungen von Produktsystemen („Biodiversity Impact Assessment“).

  • Information und Vernetzung durch vier Workshops mit Vertretern unterschiedlicher Akteursgruppen, zahlreiche Vorträge (u.a. beim Dialogforum „Unternehmen Biologische Vielfalt 2020“, der LCA Food und der UNEP-SETAC) sowie durch Artikel in Fachzeitschriften (z. B. Ökologisches Wirtschaften).

  • Entwicklung und Prüfung der Anwendbarkeit der Methode in die nachfolgend aufgeführten vier Fallstudien:

  • Forstwirtschaft - UPM: Fallstudie über Holz bzw. Holzprodukte, Finnland
  • Textilindustrie - Aid by Trade Foundation: Fallstudie über kleinbäuerlich produzierte Baumwolle aus West- und Ostafrika (Initiative Cotton Made in Africa)
  • Nahrungsmittelindustrie für tierische Produkte - Vion: Fallstudie über Fleisch bzw. Futtermittel, Deutschland und Brasilien
  • Extrahierende Industrie - HeidelbergCement: Fallstudie über Tagebau, Deutschland

Laufzeit

12/2011 - 04/2015

Das Projekt mit dem Titel "Weiterentwicklung der Ökobilanzen durch Integration der Biodiversitätsauswirkungen von Produkten“ (Forschungskennziffer 3511 82 3100) wurde gefördert durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit.

Das Thema wird in dem Forschungs- und Entwicklungsvorhaben „Biodiversität in Produkt-Ökobilanzen: Weiterentwicklung und vergleichende Studien“ (Forschungskennziffer 3517 81 1800) weiterverfolgt.

Kontakt

Katharina Dietrich
Bundesamt für Naturschutz (BfN)
Tel. +49 228 849 1 17 32

Projektleitung

Fraunhofer Institut für Bauphysik
Abteilung Ganzheitliche Bilanzierung
Dipl.-Ing. Jan Paul Lindner