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Bedeutung des Eschentriebsterbens für die Biodiversität von Wäldern und Strategien zu ihrer Erhaltung (FraDiv)


Clavaria straminea - Keulchen (Clavaria) sind unter den Pilz-Verantwortungsarten. © Matthias Lüderitz
Clavaria straminea - Keulchen (Clavaria) sind unter den Pilz-Verantwortungsarten. © Matthias Lüderitz
Lactarius lilacinus - Lila Milchling. © Matthias Lüderitz
Lactarius lilacinus - Lila Milchling. © Matthias Lüderitz
Amanita friabilis - Erlen-Scheidenstreifling. © Matthias Lüderitz
Amanita friabilis - Erlen-Scheidenstreifling. © Matthias Lüderitz

Eschenreiche Wälder gehören zu den artenreichsten Waldökosystemen Deutschlands. Sie bieten unter anderem Lebensraum für eine Vielzahl von Pilz-Verantwortungs- und Rote-Liste Arten. Aktuell sind viele dieser Lebensgemeinschaften (Biozönosen) durch das Eschentriebsterben bedroht. Das Projekt FraDiv der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel trägt dazu bei, in Zusammenarbeit mit Praxispartnern in Schleswig-Holstein Empfehlungen und Maßnahmen zur Erhaltung dieser Biodiversität im Zuge des Eschentriebsterbens zu entwickeln und umzusetzen.

Ausbreitung des Eschentriebsterbens

Eine Vielzahl der eschenreichen Vegetationstypen ist in Europa als prioritäre FFH-Lebensräume eingestuft. Das Eschentriebsterben und damit der teilweise bereits flächige Ausfall dieser Baumart bedroht in hohem Maße die Biodiversität eschenreicher Wälder. Das Eschentriebsterben wurde in Europa erstmals Anfang der 1990er Jahre in Polen beobachtet. Das durch den Schlauchpilz Hymenoscyphus fraxineus (Synonym: H. pseudoalbidus) ausgelöste Absterben von Eschen jeden Alters hat sich in den letzten Jahren von Nordost- und Nord- über Mitteleuropa bis nach Westeuropa stark ausgebreitet und ist mittlerweile zu einer ernsten Bedrohung für die Biodiversität temperater Laubwälder geworden. In Deutschland wurde der Pilz erstmalig 2007 nachgewiesen und das Eschentriebsterben hat sich inzwischen im gesamten Bundesgebiet ausgebreitet, wobei die Befallssituation im Norddeutschen Raum am weitesten vorangeschritten ist. 

Gefährdung von Pilz-Verantwortungsarten

Neben den für eschenreiche Laubwälder charakteristischen Gefäßpflanzen und Kryptogamen sind insgesamt 29 Pilz-Verantwortungsarten in Deutschland vom Eschentriebsterben betroffen. Darunter insbesondere die Gruppe der "biotroph-endophytisch" lebenden Pilzarten (CHEGD-Arten), die in Untersuchungen zur Auswirkung des Eschentriebsterbens bislang nicht beachtet wurden. Diese stark gefährdeten bodenbewohnenden Pilzarten sind von hoher naturschutzfachlicher Bedeutung, auch weil sie wichtige Funktionen im Ökosystem einnehmen. Das Projekt FraDiv analysiert die Effekte des Eschentriebsterbens auf diese Pilz-Verantwortungsarten sowie auf die charakteristischen Pflanzenarten der betroffenen FFH-Lebensraumtypen. Darüber hinaus werden in experimentellen Ansätzen Fragen zur Etablierung von Eschen-Jungpflanzen untersucht. Mit der Anpflanzung standortgerechter Baumarten-Mischungen werden Lösungsvorschläge erarbeitet, um den Artenreichtum der Eschenstandorte in der Phase des gegenwärtigen Umbruchs der Bestände zu erhalten.

Themenschwerpunkte von FraDiv

FraDiv untersucht vier Themenschwerpunkte zum Eschentriebsterben mit folgenden Fragestellungen:

  • Auswirkungen des Eschentriebsterbens auf die Biozönose: Wie wirkt sich das Ausmaß des Eschentriebsterbens auf das Vorkommen und die Vitalität der direkt und indirekt an die Esche gebundenen Pilzarten und der pflanzlichen Biodiversität der Eschenstandorte aus?
  • Analyse der Befallssituation und der Verjüngung von Eschenpopulationen in Bezug auf die Diversität der Bestände: Welche Bedeutung hat die Wald- bzw. Standortkontinuität für die Ausprägung des Eschentriebsterbens und das Vorkommen der Eschen-assoziierten Pilzarten, und welchen Einfluss haben biotische und abiotische Faktoren auf die Anfälligkeit adulter und junger Eschen?
  • Etablierung von Eschen-Jungpflanzen: Inwieweit spielen abiotische Faktoren sowie die Jungwuchs-Herkunft eine Rolle für den Etablierungserfolg von Eschen-Jungwuchs?
  • Entwicklung waldbaulicher Maßnahmen unter naturschutzfachlichen Gesichtspunkten: Welche alternativen Baumartenmischungen sind geeignet, um die negativen Auswirkungen des Eschen-Ausfalls auf die Biozönosen zu minimieren?

Das Projektgebiet umfasst das gesamte Landesgebiet Schleswig-Holsteins. Die untersuchten Gebiete decken ein breites Standortsspektrum eschenreicher Wälder in den Bereichen der Jung- und Altmoräne ab. Da das Eschentriebsterben gerade im Projekt-Gebiet schon sehr weit fortgeschritten ist, sind hier die Folgen am ehesten sichtbar. Die Grundlagen und Handlungsempfehlungen aus dem Projekt FraDiv können so bundesweit in Maßnahmen für den Erhalt der biologischen Vielfalt der Eschenwälder einfließen.

Enge Zusammenarbeit zwischen Forschung und forstlicher Praxis

Das geförderte Projekt beruht auf einer engen Zusammenarbeit zwischen Forschung und forstlicher Praxis, so dass wissenschaftliche Befunde unmittelbar in naturschutzfachliches Handeln übertragen und hinsichtlich ihrer Erfolgschancen kontrolliert werden können. Konkrete Waldbau- und Restitutionsmaßnahmen werden wissenschaftlich auswertbare Erkenntnisse zu Auswirkungen des Eschentriebsterbens auf die Eschen-assoziierte Biodiversität erbringen.

Projekt-Steckbrief

Förderschwerpunkt: Verantwortungsarten

Bundesland: Schleswig-Holstein

Laufzeit: 01.02.2019-31.01.2025

Gesamt-Finanzvolumen: 2,4 Mio. €

Projektträger: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Fördergeber: Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU), Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung in Schleswig-Holstein (MELUND)

Webseite: in Vorbereitung

Ansprechpartner/innen:

Prof. Dr. Joachim Schrautzer
Prof. Dr. Alexandra Erfmeier
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Institut für Ökosystemforschung
Olshausenstraße 75
24118 Kiel

Tel: +49 431-880-4595
E-Mail-Adressen:
jschrautzer@ecology.uni-kiel.de
aerfmeier@ecology.uni-kiel.de

Letzte Änderung: 01.04.2019

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