Bundesamt für Naturschutz

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Vernetzte Vielfalt an der Schatzküste


Gemeinsame Pflanzaktion auf Rügen (© Ostseestiftung)
Menschen in der Küstenlandschaft bei einer Pflanzaktion
Renaturiertes Küstenüberflutungsmoor (© Ostseestiftung)
Luftaufnahme eines renaturierten Küstenüberflutungsmoores
Beweidung von Salzgrünland (© Ostseestiftung)
Kühe im Salzgrünland

Die Vorpommersche Boddenlandschaft und Rostocker Heide zählt zu den 30 Hotspots der biologischen Vielfalt in Deutschland. Das rund 121.000 Hektar große Gebiet erstreckt sich vom Westen Rostocks über Fischland-Darß-Zingst und die Insel Hiddensee bis hin zur Westrügenschen Boddenlandschaft. Es umschließt eine für Deutschland einzigartige, vielgestaltige Küstenlandschaft mit Bodden, Wieken, Inseln und Halbinseln, Flach- und Steilküsten, Salzwiesen und -röhrichten, Mooren und Erlenwäldern.

Artenreiche Küstenlebensräume

Die zahlreichen Flachwassergebiete, Überflutungswiesen und Salzgrasländer dieser Küstenlandschaft gelten als bedeutende Rast- und Überwinterungsgebiete für Wat- und Wasservögel in Deutschland und als herausragende Brutgebiete zahlreicher Wiesen- und Küstenvögel. Auch vielen anderen teilweise seltenen Tier- und Pflanzenarten wie Dünen- und Salzlaufkäfern oder der Kegelrobbe bietet der Hotspot bedeutsame Lebensräume. Über 60 Prozent des gesamten Gebiets stehen heute unter Naturschutz. Den größten Teil davon nimmt der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft ein.

Trotz der großen Zahl an Schutzgebieten mit hohem Schutzstatus hat sich die einstmals heterogene Küstenlandschaft mit Innen- und Außenküsten, Überflutungsräumen, nassen Seen, Mooren und Küstenwäldern zu einem anthropogen stark genutzten Lebensraum entwickelt. Ehemalige Moore und Feuchtgebiete wurden durch Entwässerung einer intensiven Nutzung zugänglich gemacht, Landschaftsstrukturelemente wie Hecken, Gehölze und Brachen finden sich kaum noch in der Landschaft. Dabei sind großräumig zusammenhängende, strukturreiche Lebensraumnetze für die biologische Arten- und Landschaftsvielfalt von größter Bedeutung: In einer traditionellen, eher kleinteiligen Kulturlandschaft kommen viele Biotoptypen in einer charakteristischen räumlichen Verzahnung und funktionellen Abhängigkeit voneinander vor. Die daraus entstehenden vielfältigen Flächen und Areale bieten vielen früher heimischen Pflanzen und Tieren selbst in den durch Verinselung und Nutzungsintensivierung geprägten Landschaften gute Lebensgrundlagen.

Vernetzte Vielfalt

Hier setzt das Projekt Vernetzte Vielfalt an der Schatzküste an. Die Entwicklung von Lebensraumnetzen erfolgt auf der Grundlage interkommunaler biodiversitätsbezogener Biotopvernetzungsplanungen. In enger Abstimmung mit beteiligten Kommunen und regionalen Akteuren werden biotopverbessernde Maßnahmen entwickelt und umgesetzt. Diese regionalen Vernetzungen sollen auch nach Projektende weiterwachsen und einen gebietsumspannenden Verbund im Hotspot 29 bilden. Ein möglichst dichtes Biotopnetz führt neben den positiven Auswirkungen auf die Biodiversität auch zu einer robusten Klimawandelanpassung und zur erhöhten Resilienz der Lebensräume und ihrer charakteristischen Arten. 

Durch die Wiederherstellung von Kleingewässern/Söllen und Küstenniedermooren im Projektgebiet werden wichtige Biodiversitätstrittsteine im geplanten Biotopverbund geschaffen, gleichzeitig werden auch deren ursprüngliche Fähigkeiten als CO2 Speicher und Nährstoffsenken wiederbelebt. Hier sollen wichtige Impulse für einen Paradigmenwechsel in der Wasserwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern gesetzt werden: Wasser soll so lange wie möglich in der Landschaft gehalten und den Niedermoorgesellschaften die Möglichkeit zur Regeneration gegeben werden. Auch die in den vergangenen Jahren im Hotspot 29 renaturierten Küstenüberflutungsräume sind wichtige Trittsteine für die angestrebte Biotopvernetzung an der Küste.

Die Beteiligung unterschiedlicher Zielgruppen ist in allen Maßnahmen vorgesehen; vielfältige Beteiligungsformate (zum Beispiel Citizen Science Projekte, ehrenamtliche Biotoppflegemaßnahmen u. v. m.) und moderierte Beteiligungsprozesse interessierter Kommunen und Landbewirtschaftenden fördern die Identifikation der Menschen für die Natur in der Region und unterstützen die kommunikativ anspruchsvollen Vorhaben der beteiligten Verbundpartner für die Biologische Vielfalt. Am Beispiel einer engagierten Gemeinde im Projektgebiet werden die unterschiedlichen Möglichkeiten zum Erhalt der Arten- und Lebensraumvielfalt in ländlichen Kommunen erarbeitet und umgesetzt.

Wissens- und Informationsangebote zur Biologischen Vielfalt und zu den Aktivitäten des Verbundvorhabens werden zur Verfügung gestellt. Alle Verbundpartner sind in der Projektregion bestens vernetzt und bekannt; durch die Präsenz vor Ort und eine hohe Bereitschaft zur offenen Kommunikation mit allen Maßnahme-Partnern werden alle Interessierte und Beteiligte eingebunden und mitgenommen.

Das Gemeinschaftsprojekt wird unter Federführung der OSTSEESTIFTUNG von den Naturschutzverbänden WWF, NABU M-V, BUND M-V, der Kranichschutz Deutschland gGmbH, der Succow Stiftung, dem Förderverein Nationalpark Boddenlandschaft sowie der Uni Greifswald umgesetzt.

Projekt-Steckbrief

Förderschwerpunkt: Hotspots der biologischen Vielfalt

Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern

Laufzeit: Dezember 2020 – Dezember 2026

Gesamt-Finanzvolumen: 9,39 Mio. €

Koordinierender Projektpartner: Naturschutzstiftung Deutsche Ostsee OSTSEESTIFTUNG

Verbundpartner: WWF Deutschland, NABU Mecklenburg-Vorpommern, BUND Mecklenburg-Vorpommern, Kranichschutz Deutschland gGmbH, Succow Stiftung, Förderverein Nationalpark Boddenlandschaft, Universität Greifswald – AG Nachhaltigkeitswissenschaft und Angewandte Geografie

Fördergeber: Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) sowie Norddeutsche Stiftung für Umwelt und Entwicklung, International Baltic Sea Foundation for Nature Conservation (BaltCF)

Webseite: im Aufbau

Kontakt:

Dr. Sabine Grube

OSTSEESTIFTUNG
Ellernholzstrasse 1/3
17489 Greifswald

Tel: +49 (0)3834 5147541
E-Mail: grube@ostseestiftung.de

Letzte Änderung: 19.02.2021

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