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Urbane Waldgärten: Mehrjährig, mehrschichtig, multifunktional


Privater Waldgarten bei Potsdam (©Jennifer Schulz)
Blick in einen sommerlichen Waldgarten
Beteiligungsworkshop (© Luisa Gedon)
Tisch mit Ergebnissen eines Beteiligungsworkshops
Junger Waldgarten IGA Berlin (©Jennifer Schulz)
Lichter, noch junger Waldgarten im Sommer

Durch ihren Arten- und Strukturreichtum, ihr hohes Grünvolumen und ihre vorwiegend dauerhafte Bodenbedeckung sind Waldgärten multifunktionale Anbausysteme, bei denen der Erhalt und Schutz der Artenvielfalt, eine positive Klimawirkung und der Schutz des Bodens gleichzeitig erreicht werden können.

Urbane Waldgärten: Mehrjährig, mehrschichtig, multifunktional

Waldgärten sind mehrschichtig aufgebaute, naturnahe Gärten und bestehen hauptsächlich aus mehrjährigen Pflanzen. Dabei handelt es sich vor allem um Gehölze mit essbaren Bestandteilen, wie Obst, Nüsse und Beeren, aber auch um mehrjährige Arten in der Gemüse-, Kräuter- und Wurzelschicht.  

In Deutschland gibt es bisher kaum Erfahrungen mit Waldgärten im urbanen Kontext. Im Projekt „Urbane Waldgärten: Mehrjährig, mehrschichtig, multifunktional“ stehen deshalb neben dem nachhaltigen Anbau auch die gemeinschaftliche Planung, Umsetzung und der Betrieb von Waldgärten mit den beteiligten Gruppen im Fokus. In den Projekt-Waldgärten sollen Umweltbildung, soziales Miteinander und eine naturnahe und langfristige Form des Urban Gardening erprobt werden, so dass für städtische Grünflächen wichtige soziale Funktionen in Synergie mit den ökologischen Funktionen zum Tragen kommen.

Praktische Erprobung in drei Modellprojekten

Im Verbundvorhaben der Universität Potsdam gemeinsam mit dem Bezirksverband Berlin-Süden der Kleingärtner e.V., dem Freilandlabor Britz e.V. und dem Umwelt- und Gartenamt der Stadt Kassel werden drei Waldgärten als praktische Modellvorhaben entstehen. So wird in Berlin auf 2,8 Hektar ein innovativer Waldgarten-Kleingartenpark realisiert, der auf einem umfangreichen partizipativen Planungsprozess aufbaut. In Kassel werden auf zwei öffentlichen Grünflächen gemeinschaftliche Waldgärten entstehen, wozu ebenfalls jeweils ein Beteiligungsverfahren angesetzt ist. Akzeptanzbildende Maßnahmen, Öffentlichkeitsarbeit und Prozessbegleitung sind dabei grundlegend für eine langfristig positive Gruppendynamik und eine feste Integration der Projekte in das jeweilige Stadtumfeld. Darüber hinaus werden in Berlin und Kassel waldgartenspezifische Umweltbildungsformate für verschiedene Alters- und Zielgruppen konzipiert und erprobt, die zu einem Leitfaden für weitere Standorte bundesweit weiterentwickelt werden. Im Rahmen des wissenschaftlichen Monitorings der ökologischen, klimatischen und sozialen Effekte sollen die Menschen vor Ort auch anhand von Citizen Science-Formaten einbezogen werden.

Langfristige Funktionsaufwertung und Übertragbarkeit

Ziel des Projektes ist es, artenreiche, klimaangepasste und kühlende Orte der Begegnung zu schaffen, die

  • durch hohe Struktur- und Nahrungsvielfalt Lebensräume für Tiere und Pflanzen bieten
  • durch Humusaufbau Kohlenstoff speichern können,
  • zusammenhängendes Lernen ermöglichen und
  • Inspiration für eine regionale Nahrungsmittelproduktion und Möglichkeiten vielfältiger Ernährung für Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohner eröffnen.

Dabei sollen feste Projektpartnerschaften und solide Betreibergemeinschaften entstehen, die ein langfristiges Bestehen der Projekte ermöglichen. Des Weiteren sollen die Waldgärten anhand von Umweltbildungsangeboten und Aktionen für breite Teile der Stadtgesellschaft erlebbar gemacht werden. Gleichzeitig sollen ihre ökologischen Wirkungen auf Biodiversität, Klima und Boden und die Ertragsentwicklung unter Einbeziehung der Gemeinschaft der Gärtnernden erforscht werden. Es sollen Erfahrungen und Erkenntnisse gewonnen werden, in welcher Form urbane Waldgärten dazu geeignet sind, Menschen für ökologische Kreisläufe und Zusammenhänge zu sensibilisieren – das betrifft die Themen Erhalt und Förderung der Biodiversität durch naturnahe und artenreiche Anbauweisen und Bodenschutz, Stellenwert der Lebensmittelvielfalt durch Erhalt alter Nutzpflanzensorten und Anbau von Wildobst. Darüber hinaus fließen die praktischen Erfahrungen und Ergebnisse aus der wissenschaftlichen Begleitung der Modellprojekte in eine Wissensplattform ein, die es ermöglicht, anhand von Schulungen anderen Städten und Initiativen bei der Entwicklung eigener urbaner Waldgärten zu helfen.

Projekt-Steckbrief

Förderschwerpunkt: Weitere Maßnahmen von besonderer repräsentativer Bedeutung für die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS)

Bundesland: Berlin, Hessen

Laufzeit: April 2021 – März 2027

Gesamt-Finanzvolumen: 5,9 Mio. €

Koordinierender Projektpartner: Universität Potsdam 

Verbundpartner: Bezirksverband Berlin-Süden der Kleingärtner e.V., Freilandlabor Britz e.V., Umwelt- und Gartenamt Kassel

Fördergeber: Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) sowie Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz des Landes Berlin (SenUVK)

Webseite: urbane-waldgaerten.de

Kontakt:

Dr. Jennifer Schulz & Dr. Torsten Lipp

Universität Potsdam
Karl-Liebknecht-Str. 24-25
14476 Potsdam

Tel.: +49 (0) 331 9772549
E-Mail: jennifer.schulz@uni-potsdam.de & tlipp@uni-potsdam.de

Letzte Änderung: 21.05.2021

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