Bundesamt für Naturschutz

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Insektenschutz an Bahnhöfen durch insektenfreundliche Beleuchtung


Von einer Leuchte angezogene Insekten bei Nacht (© Thomas Becker)
Insekten umfliegen eine Lichtquelle bei Nacht
(© Marianne Espeland)
Insekten umfliegen eine Lichtquelle bei Nacht
(© Thomas Becker)
Insekten umfliegen eine Lichtquelle bei Nacht

Die DB Station & Service AG betreibt in Deutschland ca. 5.400 Bahnhöfe und Haltestellen. Personenbahnhöfe und Haltestellen der Bahn sind in Deutschland regelmäßig beleuchtet, um die Sicherheit, die Orientierung auf dem Bahngelände, die Einhaltung der Barrierefreiheit sowie die Prävention von Vandalismus zu gewährleisten. Die Beleuchtung unterliegt dabei strengen Anforderungen, deren Fokus auf der Einhaltung der betrieblichen und verkehrlichen Sicherheit liegt. Die Wirkungen der Beleuchtung auf die Umwelt werden in den zugrundeliegenden Richtlinien bisher kaum berücksichtigt, obwohl künstliches und vor allem nächtliches Licht vielfältige ökologische Auswirkungen auf Tiere und Pflanzen haben kann. Demzufolge existieren bislang auch keine Handlungsempfehlungen oder verbindlichen Vorgaben zur Vermeidung einer Beeinträchtigung von Insekten oder anderen Artengruppen durch Bahnhofsbeleuchtung.

Auswirkungen künstlicher Lichtquellen an Bahnhöfen

Mit dem Forschungs- und Umsetzungsprojekt „Insektenschutz an Bahnhöfen“ sollen nun erstmalig Daten zur Auswirkung von verschiedenen Beleuchtungen im Bahnhofsbereich auf die Insektenvielfalt erhoben werden. Das Projekt ist inhaltlich im Handlungsfeld Lichtverschmutzung des Aktionsprogramm Insektenschutz der Bundesregierung angesiedelt.

Ziel des Vorhabens ist es herauszufinden, welche Sogwirkung die bisher an Bahnhöfen verwendete Beleuchtung in den Nachtstunden auf die Insektenvielfalt, angrenzend an Naturschutz- und FFH Gebiete, hat und durch welche Maßnahmen mögliche Beeinträchtigungen von Insekten verringert werden können.  Mit den im Projekt erhobenen wissenschaftlichen Daten sollen die Regelwerke und Qualitätskriterien für Bahnhofsbeleuchtung zum Schutz der biologischen Vielfalt erweitert werden. Hierbei werden neben den rein biologischen und naturschutzfachlichen Belangen auch Aspekte der Sicherheit, der technischen Umsetzbarkeit und der finanziellen Machbarkeit seitens der Bahn mit betrachtet.

Insektenfördernde Maßnahmen

Durch die Umrüstung von sechs Bahnhöfen mit alternativen Leuchtmitteln mit einer anderen Lichtfarbe und Spektralverteilung sowie weiteren Maßnahmen (z.B. Bewegungsmelder, Dimm-Einrichtungen, Abschirmung) soll die Anziehungswirkung dieser Bahnhöfe auf Insekten konkret verringert werden.

Zur Überprüfung der Wirksamkeit wird ein Monitoring auf diesen Bahnhöfen durchgeführt, das einen Vergleich mit der aktuell üblichen Beleuchtung ermöglicht. Dabei wird die Insektenanzahl und -vielfalt der angezogenen Tiere untersucht und die Insekten werden mit Hilfe molekularer Methoden identifiziert (Metabarcoding). Dadurch soll auch herausgefunden werden, welche Arten(gruppen) von der aktuell bei der Schiene verwendeten Beleuchtung besonders stark betroffen sind. Als Untersuchungskulisse wurde der Naturpark Westhavelland in Brandenburg ausgewählt, da der Effekt der Bahnhofsbeleuchtung auf Insekten in dieser Region (seit 2014 erster deutscher Sternenpark der International Dark Sky Association) als besonders hoch eingeschätzt wird.

Bundesweite Übertragbarkeit

Das Projekt ermöglicht fundierte, wissenschaftliche Aussagen über die Lichtverschmutzung an Bahnhöfen und deren Auswirkungen auf Insekten und die Insektenvielfalt. Die Projektergebnisse und gewonnenen Erkenntnisse sollen durch Eingang in die Richtlinien der DB zur Bahnhofsbeleuchtung bei zukünftigen (Um)bau- und Sanierungsmaßnahmen berücksichtigt werden. Damit erlangen sie einen deutschlandweiten Wirkungskreis. Die Implementierung der Projektergebnisse in das entsprechende DB Regelwerk soll auch Anreize für Hersteller zur Entwicklung und den Vertrieb von insektenfreundlicher Beleuchtung schaffen. Durch eine projektbegleitende, umfassende Öffentlichkeitsarbeit wird darüber hinaus sichergestellt, dass die Thematik sowohl in der Allgemeinbevölkerung als auch bei Verantwortlichen im Bahnbereich verbessert und geschärft wird.

Projekt-Steckbrief

Förderschwerpunkt: Weitere Maßnahmen von besonderer repräsentativer Bedeutung für die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS)

Bundesland: Brandenburg

Laufzeit: Januar 2021 – Dezember 2024

Gesamt-Finanzvolumen: 1,25 Mio. €

Projektträger: Deutsches Zentrum für Schienenverkehrsforschung (DZSF)

Fördergeber: Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) 

Webseite: im Aufbau

Kontakt:

Frederick Bott

Deutsches Zentrum für Schienenverkehrsforschung (DZSF)
Fachbereich Umwelt und nachhaltige Mobilität
August-Bebel-Straße 10
01219 Dresden

Tel: +49 (0) 351 47931-149
E-Mail: bottf@dzsf.bund.de

Letzte Änderung: 11.02.2021

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