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Insektenfreundliche Mähtechniken - InsectMow


Perlmutterfalter (© J. Steidle)
Nahaufnahme eines Perlmutterfalters auf violeter Blüte
Traktor mit Mähgerät (© S. Böttinger)
Traktor mit Mähwerk auf einer Wiese
Mistfliege (Fam. Syrphidae) (© J. Steidle)

Studien belegen, dass durch die regelmäßige Mahd landwirtschaftlicher Grünflächen ein Großteil der dort lebenden Insekten getötet wird. Dies trägt erheblich zum allgemeinen Insektenrückgang bei, ist aber bei den Diskussionen über die Gründe des Insektensterbens bisher vernachlässigt worden. Im Projekt „Entwicklung und Evaluierung insekten- und spinnenfreundlicher Mähtechniken als Beitrag zu einer nachhaltigen Form der landwirtschaftlichen Grünlandnutzung“ sollen in Kooperation zwischen Landwirtschaft und Naturschutz Mähmethoden entwickelt und Scheibenmähwerke so modifiziert werden, dass sich die negativen Folgen der Mahd reduzieren lassen.

Gefährdung der Insekten im Grünland

Der weltweite Insektenrückgang ist gut dokumentiert, viele Gründe dafür sind bekannt: Vor allem die industrielle Landwirtschaft mit ihrem Pestizideinsatz, aber auch die zunehmende Strukturarmut und der Verlust der Pflanzenvielfalt werden dafür verantwortlich gemacht. Eine Schweizer Studie (Fluri et al. 2000) kommt zu dem Schluss, dass bereits bei einer einzelnen Mahd im Grünland bis zu 90.000 Honigbienen pro Hektar verletzt oder getötet werden können. Eine Arbeit zu Heuschrecken (Humbert et al. 2010) berichtet von einer 70-90prozentigen Mortalität von Heuschrecken durch die Mahd.

Im Projekt InsectMow der Universitäten Tübingen und Hohenheim werden insektenschonende Scheibenmähwerke entwickelt und getestet. Die Maschinen werden zum einen mit sogenannten Scheuchen ausgestattet, die Insekten zur Flucht veranlasst. Zum anderen wird das Scheibenmähwerk so modifiziert, dass es z.B. durch einen reduzierten Sog weniger Insekten ansaugt und tötet. Die Mähwerkmodifikationen sollen in einem iterativen Prozess von Agraringenieuren in Kooperation mit einem Mähwerkhersteller entwickelt werden und dann von Tierökologen auf ihre Wirksamkeit hin in ökologischen Freilanduntersuchungen getestet werden. Um sicherzustellen, dass insektenschonende Mähwerke in Zukunft eine nachgewiesene Wirkung besitzen, soll darüber hinaus mit der DLG-Prüfstelle ein standardisiertes Testverfahren für ein Nachhaltigkeits-Label entwickelt werden.

Mit verbesserter Technik zu mehr biologischer Vielfalt

Ziel des Projektes ist es, mit Scheuchen und modifizierten Mähwerken die durch die Mahd verursachten Biodiversitäts- und Biomasseverluste im Grünland signifikant zu reduzieren. Bei Übernahme einer insektenschonenden Mähtechnik durch Mähmaschinenhersteller kann das Projekt bei geringen wirtschaftlichen Produktivitätseinbußen einen erheblichen Beitrag zum Schutz der biologischen Vielfalt und zum Erhalt der Ökosystemfunktionen von Grünland leisten.

Projekt-Steckbrief

Förderschwerpunkt: Sicherung von Ökosystemleistungen

Bundesland: Baden-Württemberg

Laufzeit: November 2021 – Oktober 2025

Gesamt-Finanzvolumen: 897.598 €

Koordinierender Projektpartner: Universität Hohenheim

Verbundpartner: Universität Tübingen

Fördergeber: Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMU)

Webseite: https://insectmow.uni-hohenheim.de

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Johannes Steidle

Universität Hohenheim
Fachgebiet Chemische Ökologie
Garbenstr. 30b
70599 Stuttgart

Tel: +49 (0)711 459 23667  
E-Mail: jsteidle@uni-hohenheim.de

Letzte Änderung: 11.07.2022

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