Bundesamt für Naturschutz

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Die Graue Skabiose und ihre Lebensräume im mitteldeutschen Verbreitungsgebiet – erhalten – schützen – fördern


Steppenrasen im Unteren Saaletal (© Philipp Brade)
Steppenrasen, im Hintergrund Heckenstrukturen
Blütenstand der Grauen Skabiose (© Frank Meysel)
Nhaufnahme von Blüten der Grauen Skabiose im Gegenlicht
Trockenrasen mit Grauer Skabiose im südlichen Sachsen-Anhalt (© Philipp Brade)
Trockenrasen mit Grauer Skabiose

Die Graue Skabiose (Scabiosa canescens) ist ein ausdauerndes, mittel- bis südosteuropäisch verbreitetes Kardengewächs. Ihre Lebensräume sind Trocken- und Halbtrockenrasen, insbesondere Steppenrasen, außerdem Schwermetall- und Sandtrockenrasen. Hierbei handelt es sich fast immer um Lebensraumtypen nach Anhang I der FFH-Richtlinie.

Mit Verantwortung für die Skabiose

Das Projektgebiet zeichnet sich durch vielfältige standörtliche Ausprägungen und Flächenzustände aus. Die Spanne der Skabiose-Vorkommen reicht von kleinen, isolierten Restbeständen bis hin zu großen, vitalen Populationen, wobei die Graue Skabiose auch in ihren Kerngebieten zurückzugehen scheint. Sie ist vielfach seltener, als es nach dem Gebietszustand zu erwarten wäre. Konkrete, belastbare Zahlen zu Bestandsentwicklung und aktuellen Bestandsgrößen liegen zumeist jedoch nicht vor.

Gefährdete Gesellschaft

Die Graue Skabiose steht auch stellvertretend für weitere seltene und gefährdete Pflanzenarten der von ihr besiedelten Lebensräume. Einige dieser Pflanzenarten sollen im Projekt besonders berücksichtigt werden: Mit der Trauben-Graslilie (Anthericum liliago), dem Stängellosen Tragant (Astragalus exscapus) und dem Zierlichen Brillenschötchen (Biscutella laevigata ssp. gracilis) handelt es sich um weitere Verantwortungsarten, die ebenfalls im mitteldeutschen Raum einen Verbreitungsschwerpunkt haben bzw. in Deutschland nur hier vorkommen.

Bestands- und Gefährdungsanalyse

Das Projekt startet mit einer Erfassung und Bewertung der aktuellen Bestands- und Gefährdungssituation der Grauen Skabiose. Darauf aufbauend sollen Konzepte für die langfristige Sicherung der Art entwickelt und Handlungsräume für Maßnahmenumsetzungen erarbeitet werden. Die Geländeerfassungen betreffen nicht nur den Status und die Verortung der Vorkommen, sondern auch vegetations- und standortkundliche sowie populationsbiologische Aspekte. Ein weiterer Schwerpunkt wird die wissenschaftliche Begleitung der projektseitigen Maßnahmenumsetzungen sein.

Schutzkonzept und Maßnahmenumsetzungen

In enger Abstimmung mit dem behördlichen und ehrenamtlichen Naturschutz sollen ein Maßnahmenprogramm sowie flächenkonkrete Maßnahmenkonzeptionen erarbeitet und exemplarisch umgesetzt werden. Letzteres umfasst sowohl Artenschutzmaßnahmen (Populationsstützungen und Ansiedlungen) als auch Biotoppflegemaßnahmen zur Wiederherstellung geeigneter Standortbedingungen. Ein Schwerpunkt der Maßnahmenumsetzungen werden die Randbereiche des mitteldeutschen Verbreitungsgebietes sein, wo die Graue Skabiose allein durch die geringere Zahl an Vorkommen und die kleineren Populationsgrößen stärker und vielfach akut gefährdet ist. Neben den projektseitigen Aktivitäten sollen auch weitere Maßnahmenumsetzungen durch Dritte angeregt und/oder begleitet werden.

Aufbau eines Akteursnetzwerkes

Zur nachhaltigen Absicherung des Vorhabens soll ein über das Ende der Projektlaufzeit hinauswirkendes Akteursnetzwerk aufgebaut werden. Zentrale Akteure sind neben den Behörden und Verwaltungen insbesondere Personen, die die Flächen besitzen und bewirtschaften. Vorgesehen ist ein Austausch mit möglichst allen für die jeweilige Flächenentwicklung relevanten Zielgruppen. Die Gewinnung und Vernetzung von Akteuren wird auch ein Schwerpunkt der projektbegleitenden Öffentlichkeitsarbeit sein.

Mit den Projektinhalten und -zielen eng verknüpft sind Themen wie die Möglichkeiten und Grenzen eines nachhaltigen Artenschutzes sowie das Konzept der Verantwortungsarten. So sollen anhand der Grauen Skabiose die Herausforderungen eines zeitgemäßen Artenschutzes sowie der Aspekt der besonderen Verantwortlichkeit vermittelt und die Akzeptanz für damit einhergehende Förder- und Schutzmaßnahmen erhöht werden.

Projekt-Steckbrief

Förderschwerpunkt: Arten in besonderer Verantwortung Deutschlands

Bundesländer: Sachsen-Anhalt, Thüringen

Laufzeit: April 2021 – März 2026

Gesamt-Finanzvolumen: 1.71 Mio. €

Projektträger: Hochschule Anhalt

Fördergeber: Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) sowie Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt (MULE)

Webseite: im Aufbau

Kontakt:

Prof. Dr. Annett Baasch

Hochschule Anhalt
Strenzfelder Allee 28
D-06406 Bernburg

Tel.: +49 (0) 3741 355 1173
E-Mail: annett.baasch@hs-anhalt.de

Letzte Änderung: 12.07.2021

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