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Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung


Flugbahnen von Insekten an Straßenleuchte. © Lamiot, WikiCommons
Südeuropäischer Nachtschwärmer bestäubt Gartenblumen in Fulda. © Sven Haustein
Das Experimentalfeld im Westhavelland. © Stefan Heller

Straßenbeleuchtung kann nachtaktive Fluginsekten stark beeinträchtigen, da viele Insekten vom Licht der Leuchten angezogen und ihren eigentlichen Lebensräumen entzogen werden. Wenn sich zudem noch die Attraktionsradien benachbarter Straßenleuchten überschneiden, kann dies zu einer Barrierewirkung führen, so dass es Insekten wesentlich schwerer haben, eine beleuchtete Straße zu passieren.

Den Lebensraum erweitern

Das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) entwickelt in Zusammenarbeit mit dem Fachgebiet Lichttechnik der Technischen Universität Berlin ein Straßenbeleuchtungsdesign, das die Abstrahlung des Lichtes auf die Flugbahnen von Insekten minimiert. Das Licht der Leuchten soll nicht mehr an der Leuchte selbst, sondern nur auf den Gehwegen und Straßen zu sehen sein. Damit soll der Fragmentierung der Lebensräume von Insekten durch Straßenbeleuchtung entgegengewirkt werden. Vor allem aquatische Insekten stehen im Fokus der Untersuchungen, denn ihre Herkunft und die Richtung ihrer Wanderung können leichter bestimmt werden als bei terrestrischen Insekten. Im Projekt werden aber auch für terrestrische Arten die Attraktionsradien an den Leuchten bestimmt.

Auf einem Experimentalfeld des IGBs im Westhavelland wird die Wirkung des neuen Straßenbeleuchtungsdesign im Vergleich zu herkömmlichen Kofferleuchten analysiert. Dabei werden die Auswirkungen des veränderten Verhaltens von Fluginsekten auf ein aquatisch-terrestrisches Ökosystem untersucht.

Nach der Optimierung der Leuchte im Experimentalfeld wird der Prototyp der Straßenleuchte in vier Gemeinden in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Hessen in Gewässernähe installiert und erprobt. Dazu wird ein Teil der bestehenden Uferbeleuchtung umgerüstet. Sowohl die Anziehung und das Verhalten von Insekten an den Leuchten, als auch die Akzeptanz der Anwohnerinnen und Anwohner gegenüber dem neuen Straßenbeleuchtungsdesign werden im Vorher-Nachher-Vergleich sowie im Vergleich mit den nicht-umgerüsteten Straßenleuchten durch die Verbundpartner evaluiert.

Den Wert der Nacht erkennen

Gemeinsam mit Schulen, Hobbyentomologinnen und -entomologen und interessierten Anwohnerinnen und Anwohnern werden die Verbundpartner das Vorkommen von Fluginsekten an den umgerüsteten und herkömmlichen Leuchten vor Ort analysieren. Zwei Jahre vor und nach der Umrüstung auf das neue Straßenbeleuchtungsdesign wird untersucht, welche heimischen Fluginsekten in welchem Maße von der installierten Straßenbeleuchtung beeinträchtigt werden.

In Workshops kann die Unterscheidung der Insekten in Ordnungen erlernt und mehr über ihre Funktion in Ökosystemen erfahren werden. Für Hobbyentomologinnen und -entomologen wird ein europaweites Netzwerk für einen unkomplizierten Wissensaustausch über heimische Insekten zur Verfügung gestellt.

Weiterhin werden Nachtführungen angeboten, um Interessierten den Wert der dunklen Tageshälfte näher zu bringen. Denn nur dort, wo es wirklich dunkel ist, kann man nachtaktiven Tieren wie Eule, Dachs und Co. begegnen und einen atemberaubenden Sternenhimmel bewundern. Das Projekt lädt deshalb auch dazu ein, den Wert der Nacht schätzen zu lernen und die Bedeutung eines natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus für Menschen, Ökosysteme und die Biodiversität zu entdecken.

Nachhaltig beleuchten auch im eigenen Garten

Das Projekt richtet sich an alle Bürgerinnen und Bürger und insbesondere an Schulen, um den Wert der heimischen Insektenfauna zu vermitteln und zu einem respektvollen und achtsamen Umgang mit künstlichem Licht in der Nacht aufzurufen. Denn auch die eigene Garten- und Hausbeleuchtung kann dazu führen, dass der Lebensraum von nachtaktiven Tieren beeinträchtigt wird.

Weiterhin werden Handlungsleitlinien für den nachhaltigen Umgang mit Beleuchtung für Kommunen, Unternehmen und Behörden optimiert. Die Parameter Abstrahlungsgeometrie, Lichtfarbe und Beleuchtungsstärke sind hierbei entscheidend. Grundsätzlich gilt, so viel wie nötig, so wenig wie möglich und dass jegliche Nutzung von künstlichem Licht in der Nacht begründbar sein muss.

Projekt-Steckbrief

Förderschwerpunkt: Weitere Maßnahmen

Bundesland: Berlin, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern

Laufzeit: 01.06.2019 – 31.05.2025

Gesamt-Finanzvolumen: 2,56 Mio. €

Verbundpartner: Forschungsverbund Berlin e.V. – Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), Technische Universität Berlin, NABU Kreisverband Havelland e.V. Regionalverband Westhavelland, Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide e.V., Stadt Krakow am See, Magistrat der Stadt Fulda, Amt Gransee und Gemeinden, Amt Rhinow

Fördergeber: Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU)

Webseite: im Aufbau

Ansprechpartner/innen:

Dr. Sibylle Schroer und PD Dr. Franz Hölker
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Müggelseedamm 310
12587 Berlin

Tel: +49 30 64181-717 und -665
E-Mail: schroer@igb-berlin.de,  hoelker@igb-berlin.de

Letzte Änderung: 08.08.2019

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