Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Der Verlust der Artenvielfalt bei Primärproduzenten mindert die Produktivität von Ökosystemen

Zu diesem Schluss kommt ein Forscherteam der Universität Michigan durch Auswertung bestehender Studien zur Biodiversitätsforschung

Die Wissenschaftler untersuchten 574 unabhängige Studien aus zwei Jahrzehnten. Die Daten dieser Studien decken 541 Arten in 30 verschiedenen Habitatformen und Biomen ab. Ziel der Untersuchung war es, Hinweise für die Bedeutung der vorhandenen Vielfalt von Primärproduzenten wie Pflanzen und Algen für die Produktivität von Ökosystemen zu finden.

Bisher war man davon ausgegangen, dass man mindestens 50 Prozent der Arten erhalten müsse, um die Produktivität eines Ökosystems auf einem Level von 75 Prozent erhalten zu können. Die neuen Analysen kommen zu dem Schluss, dass dieser Wert bei weitem zu niedrig angesetzt ist: Nach Überzeugung der Forscher muss man mindestens 92 Prozent der Arten erhalten, um wenigstens 50 Prozent der maximalen Produktivität eines Ökosystems sicherzustellen.

Welche Mechanismen dabei wie zusammenspielen, ist nach Meinung der Wissenschaftler noch zu wenig erforscht. Entgegen der populären "Nischentheorie" von Charles Darwin, gehen sie von komplexen Wirk-Zusammenhängen aus und regen an, diese künftig stärker in den Fokus der Biodiversitätsforschung zu nehmen. So nimmt man beispielsweise an, dass in terrestrischen Ökosystemen die Produktivität von Biomasse in besonders artenreichen Lebensgemeinschaften nicht allein von einzelnen, besonders produktiven Arten abhängt, sondern unter anderem mit dem Grad der Komplementarität der Arten eines bestimmten Lebensraum korrespondiert, also mit dem Maß, wie einzelne Arten sich bei der Nutzung der vorhandenen Ressourcen ergänzen.

Das Forscherteam ging auch der Frage nach, welche Effekte der Verlust an biologischer Vielfalt und der damit verbundene Rückgang der Produktivität der Ökosysteme auf die Veränderung der globalen Umweltbedingungen haben könnte. Dabei fanden sie Hinweise, dass ein anfänglicher Verlust einzelner Arten noch keine großen Auswirkungen auf die Funktionsfähigkeit der Ökosysteme hat, ein wachsender Rückgang der Biodiversität den Wandel aber wahrscheinlich beschleunigt.

Ein zusammenfassender Artikel über die Fragestellungen und Erkenntnisse der Studie ist in der Zeitschrift "American Journal of Botany", 98 (3): S. 572-592 erschienen.

Quelle: Der Text hier bezieht sich auf eine Meldung aus der Reihe "Science for Environment Policy", die von der EU-Kommission herausgegeben wird. Den englischen Wortlaut der Meldung können Sie hier nachlesen.

Letzte Änderung: 18.07.2011

 Artikel drucken