Bundesamt für Naturschutz

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Orte der biologischen Vielfalt – eine Kampagne für mehr Raum von Flora und Fauna auf Firmengeländen

Aktionsfeld

Kommunikation, Netzwerkbildung und Informationen

 

Beteiligte Akteure

  • Senator für Umwelt, Bau und Verkehr der Freien Hansestadt Bremen
  • BUND Landesverband Bremen
  • Geschäftsstelle „Umwelt Unternehmen“ c/o RKW Bremen GmbH
  • Partnerunternehmen des Netzwerks Bremer Umweltpartnerschaft

Ziele

Raum für Flora und Fauna auf Firmengeländen schaffen

Kurzbeschreibung

Umgestaltete Naturwiese mit Holzbank, Deutsche Post in Bremen; Bild: PUU
Umgestaltete Naturwiese mit Holzbank, Deutsche Post in Bremen; Bild: PUU
Kies-Staudenbeete mit Sitzmöglichkeiten im Innenhof, REETEC GmbH. Bild: PUU
Kies-Staudenbeete mit Sitzmöglichkeiten im Innenhof, REETEC GmbH. Bild: PUU

Ob Dachbegrünung, Rasengittersteine oder eine Nistgelegenheit: Die Möglichkeiten, ein Betriebsgelände naturnah zu gestalten, sind vielfältig und angesichts der zunehmenden Versiegelung dringend notwendig. Unter dem Motto „Mehr Raum für Flora und Fauna auf dem Firmengelände“ startete deshalb in 2012 das vom Bremer Senator für Umwelt, Bau und Verkehr getragene Unternehmensnetzwerk 'Partnerschaft Umwelt Unternehmen' ('PUU') die Kampagne ,Orte der biologischen Vielfalt‘. Im Rahmen von ‚Orte der biologischen Vielfalt‘ können sich Firmen in Bremen und Bremerhaven durch den Bund für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND) Landesverband Bremen beraten lassen, wie sie dem grauen Beton auf ihrem Gelände grüne Oasen entgegensetzen. Ziel ist, sie dabei zu unterstützen, einen Beitrag für das Fortbestehen der heimischen Tier- und Pflanzenwelt im städtischen Raum zu leisten.

Experten des BUND begutachten mit den interessierten Betrieben die in Frage kommenden Flächen und geben individuelle Handlungsempfehlungen, wie am Gebäude und auf dem Grundstück mit kleineren und größeren Umgestaltungsmaßnahmen mehr Raum für Pflanzen und Tiere geschaffen werden kann. So ist ein Obstbaum beispielsweise im Handumdrehen gepflanzt und bietet von der Wurzel bis zur Krone einen strukturreichen Lebensraum für verschiedene Tiere. Ganz nebenbei sorgt er im Herbst auch noch für frisches Obst.

Ein naturnah gestaltetes Firmengelände ist aber auch aus weiteren Gründen von Vorteil für Unternehmen. So haben an der Kampagne beteiligte 'PUU'-Partnerfirmen die Erfahrung gemacht: Wildblumenbeete, ein Gartenteich oder auch Schafe, die den Rasen schön kurz halten, tragen zu einem angenehmeren Arbeitsklima bei. Die Belegschaft weiß zu schätzen, dass sie nicht auf eintönige Flächen schauen muss. Darüber hinaus rechnen sich die Maßnahmen auch auf der Kostenseite. Zum einen werden die Beratungen mit 50 Prozent vom Senator für Umwelt, Bau und Verkehr gefördert, zum anderen lohnt sich zum Beispiel ein naturnahes Regenwassermanagement aufgrund der gesplitteten Abwassergebühr im Land Bremen. Zumal auch die Investitionen zur Entsiegelung und Dachbegrünung über ein Programm des Umweltsenators finanziell gefördert werden. Die Zusammenarbeit zwischen dem BUND und der Bremer Umweltpartnerschaft 'PUU' ist die erste dieser Art in Deutschland.

Nach dem Kampagnenauftakt im Sommer 2012 auf dem Firmengelände von 'PUU'-Partner Kronwald Drucklufttechnik sind mittlerweile ‚Orte der biologischen Vielfalt‘ bei folgenden Mitgliedern der Bremer Umweltpartnerschaft ausgezeichnet worden: Werkstatt Bremen, Deutsche Post Niederlassung BRIEF Bremen, REETEC, Mercedes-Benz Werk Bremen, saturn petcare, Dierker Brandschutz, Holzhandlung Ehlers und hanseWasser Bremen.

Maßnahmen zur Zielerreichung

Informationsveranstaltungen und direkte Werbung bei Unternehmen

Implementierung und Praxisbeispiele

  • Dierker Brandschutz oHG
  • hanseWasser Bremen GmbH
  • Holzhandlung Hermann Ehlers GmbH & Co. KG
  • Kleintierklinik Bremen GmbH
  • Kronwald Drucklufttechnik GmbH & Co. KG
  • Mercedes-Benz Werk Bremen, Daimler AG
  • OptoPrecision GmbH
  • REETEC GmbH
  • saturn petcare gmbh
  • Ventimola GmbH & Co. Dmmtechnik KG
  • Werkstatt Bremen, Eigenbetrieb der Stadtgemeinde Bremen

Arbeitsschritte und Methoden

Unternehmensbesuche und geförderte Beratung durch den BUND

Ergebnisse (Beispiele)

Holzhandlung Ehlers:

Für die seit 2012 klimaneutral arbeitende Holzhandlung Hermann Ehlers GmbH & Co. KG in Bremerhaven gehört der Umwelt- und Klimaschutz zur Unternehmensstrategie. Um die biologische Vielfalt zu fördern, hat Geschäftsführer Christian Ehlers beispielsweise Vogelnisthilfen, Igelkästen oder einen Hummelkasten gebaut und aufgestellt und bietet so heimischen Tieren und Pflanzen einen Lebensraum auf seinem Firmengelände. 

Sein Konzept zur Förderung der Artenvielfalt macht auch nicht Halt vor den betriebseigenen Anlagen wie dem Regenrückhaltebecken. Das Ufer um das Becken wurde kurzerhand freigelegt und eignet sich nun als idealer Platz zum Sonnen für Reptilien und Amphibien. Ein neu angelegtes Naturhochbeet dient zudem als natürliches Anbaugebiet für heimisches Gemüse und ist gleichzeitig ideal als Versteck für Kleinsäuger. Wildblumenwiesen sowie Teichschalen, die als Stillgewässer genutzt werden, runden das Maßnahmenpaket ab und lassen den Betrieb zu einer natürlichen Oase werden, in der sich auch Mitarbeiter rundum wohlfühlen. Für dieses Engagement verlieh der BUND Bremen gemeinsam mit der Geschäftsstelle „Umwelt Unternehmen“ die Auszeichnung „Orte der biologischen Vielfalt“ im November 2015 an die Holzhandlung Ehlers.


Mercedes-Benz Werk Bremen:

Vogelarten wie Spatz, Meise und Mauersegler finden sich pünktlich zum Beginn der Brutzeit in den 26 neuen Nistkästen auf dem Gelände des Mercedes-Benz Werkes Bremen ein. Michael Ortmann, zuständig für das Umweltmanagement im Mercedes-Benz Werk Bremen, Daimler AG, ist gespannt, wie die Nistgelegenheiten angenommen werden, denn eine erfolgreiche Ansiedlung gerade des Mauerseglers zeigt, wie mit wenig Aufwand ein großer ökologischer Wert geschaffen werden kann.

Gemeinsam mit einer Gruppe Auszubildender baute er auch das Insektenhotel mit Platz für Wildbienen, Marienkäfer und Spinnen, welches den Fortbestand dieser Insekten fördert. Dass die Umgestaltung eines Rasenstreifens zur Wildblumenwiese sich nicht nur für die Umwelt bezahlt macht, ist einfach erklärt: Denn üblicherweise musste der Rasen einmal monatlich gemäht werden, mit einer Wildblumenanpflanzung ist das nur noch zweimal jährlich notwendig. Darüber hinaus sorgt eine Hecke aus Vogelschutz- und Nährgehölzen für Verstecke und Nahrung bleibender Vögel im Winter. Ein bepflanzter Bodenfilter für Niederschlagswasser ist zudem Teil eines Forschungsprojektes der Uni Bremen. Es sind Maßnahmen wie diese, die der zunehmenden Versiegelung von Flächen entgegenwirken. Für dieses Engagement wird der PUU-Partner Mercedes-Benz Werk Bremen mit der Anerkennung „Orte der biologischen Vielfalt“ ausgezeichnet.


Dierker Brandschutz oHG:

Seit Mai 2014 ist die Dierker Brandschutz oHG Mitglied der Partnerschaft Umwelt Unternehmen. Nun hat das Unternehmen auch einen “Ort der biologischen Vielfalt“ auf dem Firmengelände geschaffen: Entsiegelte Parkflächen wurden mit Hecken, Gehölzgruppen und Einzelsträuchern bepflanzt und rund um den Parkplatz Wildnisecken mit Totholz, Reisig und Mähguthaufen geschaffen. Auch Kräuterspiralen und diverse Nisthilfen für Igel, Vögel und Fledermäuse sind zu finden. 

In den letzten Jahren wurden zudem solitäre Obstbäume gepflanzt und verschiedene artenreiche Wildblumenmatten angelegt. Diese müssen jedoch bestäubt werden. Eine Aufgabe, für die vor allem Bienen zuständig sind. Jedoch setzen Pestizide, Monokulturen und eine immer blütenärmere Landschaft den Bienenvölkern zu. Dazu kommen die Auswirkungen des Klimawandels und die Schwächung durch die inzwischen weltweit in Bienenvölkern parasitierende Varroa-Milbe. Sie ist mitverantwortlich dafür, dass Bienen von zahllosen Krankheiten heimgesucht werden, die ihnen früher selten gefährlich wurden. Dabei ist die Honigbiene nach Rind und Schwein das drittwichtigste landwirtschaftliche Nutztier und 80 Prozent aller Nutzpflanzen brauchen die Bestäubung durch Bienen.

Die Dierker Brandschutz oHG mit Geschäftsführer Werner Dierker hat sich deshalb dem Thema Bienen zugewandt und leistet mit der Ansiedlung von insgesamt 140.000 Honigbienen auf dem Firmengelände einen großen Beitrag zur Arterhaltung. Die vier Bienenvölker sorgen darüber hinaus für mehr Biodiversität in der Stadt. Ihr Honig wird zudem nicht gewerblich genutzt sondern den Bienen überwiegend als Wintervorrat im Bienenstock belassen. 

Kontakt

Torsten Stadler
Geschäftsstelle Umwelt Unternehmen
Tel. +49 421.32 34 64 22

Weiterführende Informationen

Projektwebsite

Website Umwelt Unternehmen

Handlungsempfehlungen für eine naturnahe Gestaltung des Betriebsgeländes


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