Bundesamt für Naturschutz

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Management von Lebensräumen FFH-relevanter Amphibienarten in Rohstoffgewinnungsstätten

Aktionsfeld

Naturschutzrecht

Beteiligte Akteure

  • Landesbund für Vogelschutz in Bayern
  • Bayerischer Industrieverband Steine u. Erden e. V. (BIV)
  • Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Bergbau- und Mineralgewinnungsbetriebe (ABBM)

Ziele

Sicherung und Entwicklung von ausgewählten Amphibienpopulationen der FFH-Anhänge in Rohstoffgewinnungsstätten von Lehm, Sand, Kies und Gestein während des laufenden Betriebs. Dies erfolgt durch die Entwicklung geeigneter Maßnahmen zur Generierung zeitlich und räumlich verteilter Habitate. So entsteht eine Win-Win-Situation für Naturschutz und Unternehmen.


Kurzbeschreibung des Projektes

Anlass für das Vorhaben ist ein Bericht der Bundesregierung zur Situation des europäischen Schutzsystems NATURA 2000, der für sechs besonders bedrohte Amphibien-Arten mit europaweiter Bedeutung einen ungünstigen Erhaltungszustand und überwiegend einen negativen Gesamttrend der Vorkommen aufzeigt. Es besteht somit die dringende Notwendigkeit, diesen Trend umzukehren und Maßnahmen für die Bestandserholung dieser Arten einzuleiten.  


Wechselkröte; © Bernd Raab (LBV), Landesgeschäftsstelle
Wechselkröte

Deshalb hat der LBV ein Projekt zur Umsetzung von Natura 2000 im Rahmen des Biodiversitäts-Aktionsprogramms 2030 ins Leben gerufen, in dem Naturschutz und Abbauunternehmen in enger und auch vertraglich geregelter Zusammenarbeit Schutz- und Entwicklungsmöglichkeiten von Amphibien in Kies-, Sand- und Lehmgruben etc. gemeinsam umsetzen. Die Zielarten der Maßnahmen sind Geburtshelferkröte, Gelbbauchunke, Kammmolch, Knoblauchkröte, Kreuzkröte, Wechselkröte und Laubfrosch.


Die betreffenden Arten sind heute in großem Umfang auf Abgrabungsstätten angewiesen, denn Rohstoffgewinnungsstätten von Lehm, Sand, Kies und Gestein können wichtige Sekundärlebensräume für Amphibien darstellen. Ihre besondere Bedeutung liegt vor allem darin, dass sie Ersatzlebensräume für naturnahe Wildflussauen sind, die durch Flussregulierungen etc. weitgehend verschwunden sind. Die Abbauunternehmen und der LBV sind sich dieses besonderen Potenzials bewusst und wollen durch gegenseitige Information und enge Zusammenarbeit die Chancen für die Erhaltung unserer biologischen Vielfalt nutzen. Die Entstehung wertvoller Sekundärlebensräume und die Ansiedlung seltener Arten sollen während des Betriebs, bei der Renaturierung und auch darüber hinaus gezielt gesteuert werden.


von links: Oliver Klauser (Vorsitzender der Fachgruppe Sand und Kies im Bayerischen Industrieverband Baustoffe, Steine und Erden e.V.), Alois Liegl (Regierung von Schwaben), Norbert Schäffer (Vorsitzender des LBV) und Andreas Thaler (Geschäftsführer Andreas Thaler & Co. Kies- und Sandwerk OHG); © Bernd Raab (LBV), Landesgeschäftsstelle

Ein Novum des Projektes ist der Abschluss eines öffentlich-rechtlichen Vertrages, der zwischen dem LBV, dem Abbaubetrieb und der Naturschutzbehörde geschlossen wird und welcher der Rechtssicherheit – in Bezug auf das allgemeine Tötungsverbot nach §§ 44 ff. BNatSchG und das Verbot der Zerstörung von Lebensstätten – dient. Der Betrieb sichert die Durchführung sämtlicher – auch zusätzlicher – CEF-Maßnahmen während des Abbaus zu. Sollte jedoch eine solche Stätte beim Fortgang des Abbaubetriebs zerstört werden müssen, ohne dass eine Ausweichmöglichkeit im Rahmen einer CEF-Maßnahme gefunden wird, sichert die zuständige Naturschutz-Behörde dem Unternehmen eine Ausnahmegenehmigung auf der Grundlage von § 45 Abs. 7 Satz 1 Nr. 1, 4, oder 5 BNatSchG oder eine Befreiung auf der Grundlage von § 67 Abs. 2 Satz 1 BNatSchG zu. Davon profitieren der Artenschutz und das Unternehmen gleichermaßen. 

Die Umsetzung soll bayernweit in mehr als 100 Rohstoffgewinnungsstätten stattfinden.


Maßnahmen zur Zielerreichung

Die Kooperationsprojekte werden von der Vorplanung bis zur Renaturierung gemeinsam von Industrie und Naturschutz entwickelt. Dabei soll möglichst die gesamte Palette an Rohstofftypen integriert werden, z. B. Kies-, Lehm- und Sandgruben, Kalkstein-, Basalt-, Diabas- und Gipsbrüche. Die Projekt-Flächen werden auf Basis der Vorkommen der relevanten FFH-Arten ausgewählt. Vorrang genießen grundsätzlich solche Flächen, die in bereits bestehenden Verbreitungsgebieten der relevanten Arten liegen und möglichst nicht durch Wanderbarrieren verinselt sind.

Für den Fall, dass in der Fläche noch keine Amphibienvorkommen existieren, soll durch die Maßnahmen eine natürliche Zuwanderung aus nahen, benachbarten Populationen gestärkt werden. Die Flächen sollen sich im laufenden Betrieb befinden, d. h. es werden keine ehemaligen, ggf. renaturierten Brüche oder Gruben gewählt. Alle Maßnahmen sollen mit einem standardisierten Monitoring auf ihren Umsetzungserfolg hin kontrolliert und dokumentiert werden. 

Der LBV entwickelt für die Abbaubetriebe fachliche Empfehlungen zum Schutz der Amphibien und berät sie dabei. So ist der Rohstoffabbau weitestmöglich mit den Laich- und Entwicklungszeiten zu synchronisieren (z. B. Sicherung durch temporäre Absperrung) und sind Ausweichhabitate zu schaffen, falls der Abbaufortschritt eine Lebensstätte beansprucht. Maßnahmen können sein:


  • die Anlage bzw. Vernetzung von temporären Laichgewässern
  • die Optimierung der Wasserversorgung
  • die Abflachung von Ufern
  • die Erhaltung bzw. Einbringung von Kleinstrukturen wie Totholz, Wurzelstöcken, Baumschnitt, großen Steinen und Ziegeln, Sand- und Geröllhaufen
  • die zeitweilige Abgrenzung von Biotopbereichen als Schutz vor unbeabsichtigten Eingriffen
  • eine gesteuerte, begleitete Entfernung von entstandenen Biotopstrukturen im Bereich der aktiven Abgrabung parallel zur Gestaltung und Neuanlage, ggf. Umsetzung von solchen Strukturen an beruhigten Stellen
  • ggf. Umsiedelung unter Beachtung hygienischer und rechtlicher Belange.

Laufzeit

2016 bis 2021

Kontakt

Referat Artenschutz - Abtlg. Geobotanik, GIS,  §63

Tel. 09174 / 477539   
Fax 09174 / 477575   
mobil .: 01520/ 6404427

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