Bundesamt für Naturschutz

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Biodiversitätsdatenbank des Industrieverbands Steine und Erden Baden-Württemberg e. V. (ISTE)

Aktionsfeld

Biologische Vielfalt im Nachhaltigkeitsmanagement

Beteiligte Akteure

  • Industrieverband Steine und Erden Baden-Württemberg e. V.
  • Unternehmen der Steine- und Erdenindustrie (Knauf Gips KG, Schwenk Zement KG)
  • Planungs- und Ingenieurbüros aus dem Bereich Umwelt- und Landschaftsplanung (arguplan GmbH, AG.L.N., Flächenagentur Baden-Württemberg GmbH, Spang.Fischer.Natzschka. GmbH)
  • GIW-Kommission
  • Global Nature Fund
  • in medias res Gesellschaft für Informationstechnologie mbH

Kurzbeschreibung

ISTE Datenbank für Biodiversität: Auswertung Vogelarten
ISTE Datenbank für Biodiversität: Ansicht Auswertung Vogelarten

Die derzeit entstehende Biodiversitätsdatenbank des ISTE soll die Entwicklung der biologischen Vielfalt in Abbaustätten auswerten und dokumentieren. Damit soll die Möglichkeit geschaffen werden, eine Übersicht über das Vorkommen bedeutsamer Arten und Biotope zu bekommen.

Besonders vor dem Hintergrund fehlender Flächen für natürlich-dynamische Prozesse und für klimabedingt zuwandernde Arten scheint eine großflächige Gesamtbetrachtung von Abbaustätten sinnvoll. Die Chancen für die biologische Vielfalt könnten im Rahmen von Biotopverbundkonzeptionen und weiteren großräumigen Projekten und Konzeptionen genutzt werden (Aktuelles Beispiel: "Stärkung und Vernetzung von Gelbbauchunken-Vorkommen in Deutschland" im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt, das von Unternehmen und Verbänden der Steine- und Erdenindustrie durch die Anlage von Trittsteinbiotopen bereits tatkräftig unterstützt wird).

Das Projekt wurde 2011 gestartet und von Beginn an von einem Arbeitskreis unterstützt, in dem neben Unternehmen der Steine- und Erdenindustrie (u. a. Knauf Gips KG, Schwenk Zement KG) auch Planungs- und Ingenieurbüros (arguplan GmbH, AG.L.N., Flächenagentur Baden-Württemberg GmbH, Spang. Fischer. Natzschka. GmbH) vertreten sind. Daneben wird das Projekt auch vom Global Nature Fund und der GIW-Kommission unterstützt. Die Biodiversitätsdatenbank wurde Anfang 2015 zur Eingabe von Biodiversitätsdaten freigegeben.

 

Hintergrund

Steinbrüche, Kiesgruben und Baggerseen stellen über das gesamte Bundesgebiet verteilte "Reserveflächen" und "Trittsteinbiotope" für die biologische Vielfalt dar. Durch anthropogen initiierte "natürliche" Dynamik werden zahlreiche Tier- und Pflanzenarten sowie Biotopstrukturen gefördert, die in der dicht besiedelten und intensiv genutzten Landschaft nur noch selten vorkommen. Die Steine- und Erdenindustrie hat dadurch eine besondere Verantwortung sowie gute Voraussetzungen, einen bedeutsamen Beitrag zur Förderung der biologischen Vielfalt zu leisten.

Aufgelassene Abbaustätten weisen hohe Artenzahlen, mit einem hohen Anteil gefährdeter Pflanzen- und Tierarten auf. Eng verzahnt treten verschiedenste Ausbildungen von Biotoptypen auf, die häufig gefährdet, selten und bedroht sind. Ursache dieser Vielfalt sind die lang anhaltenden Entwicklungszeiten, die kaum durch den Menschen beeinflusst werden. Dass diese Erkenntnis auch für betriebene Abbaustätten gilt, konnte durch Arbeiten der letzten zwei Jahrzehnte eindrücklich und auf breiter fachlicher Basis belegt werden. Die Studien verweisen sehr eindrücklich auf den hochwertigen Refugialcharakter von Abbaustätten mit sehr hohen Anteilen am Artenbestand des jeweiligen Umfeldes bzw. mit nur in der Abbaustätte vorkommenden Arten.

Die Chancen von Abbaustätten für die Erhaltung und Entwicklung der biologischen Vielfalt können nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Klimawandels und der damit verbundenen Artenverschiebungen verstärkt genutzt werden (z. B. durch Einbeziehung in Biotopverbundkonzeptionen). Abbaustätten sind Rückzugsgebiete für seltene und bedrohte Arten, Lebensgemeinschaften und Biotoptypen, fungieren als Kernlebensräume, Trittsteinbiotope und Biotopverbundelemente und können in der Kulturlandschaft eine wichtige Funktion innerhalb des Biotopverbundes ausfüllen.

Bereits heute sichern Betreiber von Abbaustätten Lebensräume für viele Brutvögel in Fels- und Steilwänden oder auf Kies- und Schotterflächen (z. B. für Uhu, Kolkrabe, Mauerläufer, Wanderfalke, Uferschwalbe, Bienenfresser und Flussregenpfeifer). Ebenso werden Lebensräume für viele gefährdete Amphibienarten (wie Kammmolch, Wechselkröte, Kreuz- und Geburtshelferkröte oder die Gelbbauchunke) und viele weitere besonders seltene Pionierarten und Lebensraumspezialisten geschaffen und erhalten. Aufbauend auf Daten der Steine-Erdenindustrie soll die Biodiversitätsdatenbank die Entwicklung der biologischen Vielfalt dokumentieren und als Steuerungsinstrument eingesetzt werden.

Fundierte (und aktuelle) Biodiversitätsdaten sind für eine fachliche Bewertung des Erfolgs von Naturschutzmaßnahmen unverzichtbar und können die Grundlage dafür bieten, das Naturschutzmanagement vor Ort zu optimieren. Dadurch kann das Biodiversitätsmanagement von Abbauphasen, Wanderbiotopphasen und Folgenutzung fachlich fundiert weiterentwickelt und (in Abstimmung mit den Rekultivierungszielen) aktuell vorkommende Tier- und Pflanzenarten in ein aktives und vorausschauendes Arten- und Populationsmanagement integriert werden. Betriebsintegrierte Maßnahmen (z. B. Absperrung von Laichgewässern durch Steinblöcke, Anlage von Tümpeln in nicht genutzten Bereichen, Gestaltung der Uferbereiche, Anlage von Oberbodenhalden oder Sandschüttungen für Brutvögel der Steilwände und sonstige Schüttungen mit grabfähigem Material, Anbringen von Nistkästen etc.) können dadurch besser gesteuert und überwacht werden.

Zur Überprüfbarkeit der Zielerreichung sollen in einem weiteren Schritt branchenspezifische Biodiversitätsindikatoren (Biodiversitätsindikatoren des Bundesverbands Mineralische Rohstoffe e.V.) in die Biodiversitätsdatenbank integriert werden, welche langfristig als Kontroll- und Steuerungsinstrument Naturschutzkonzepte unterstützen können. Durch die Integration der freiwilligen Biodiversitätsindikatoren kann der Zustand der biologischen Vielfalt messbar und vergleichbar gemacht werden.

Die Biodiversitätsdatenbank basiert auf dem Geoinformationssystem der Steine- und Erdenindustrie (GisInfoService) und soll künftig gemeinsam mit weiteren Verbänden und Unternehmen der Steine- und Erdenindustrie weiterentwickelt werden. In die Datenbank sollen Biodiversitätsdaten aus der Vorhabenzulassung, der Betriebsphase und von renaturierten/rekultivierten Abbaubereichen eingegeben werden. Die Datenbank soll insbesondere von Planungs- und Ingenieurbüros genutzt werden, die von den Abbaubetreibern mit Kartierungen beauftragt sind. Dadurch kann eine hohe Datenqualität sichergestellt werden, u.a. müssen die eingegebenen Biodiversitätsdaten zusätzlich noch um den Zeitraum der Kartierung, die Untersuchungsmethode und die Anzahl der Begehungen ergänzt werden. Aktuell wird ein ausführliches Nutzerhandbuch erstellt und in 2015 sollen spezielle Workshops organisiert werden, die den Planungs- und Ingenieurbüros sowie den Unternehmen die Nutzung der Biodiversitätsdatenbank veranschaulicht.

Kontakt

Manuel Sedlak
Industrieverband Steine und Erden Baden-Württemberg e. V. (ISTE)
Tel. +49 711 32 73 21 34

ISTE Datenbank für Biodiversität

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