Bundesamt für Naturschutz

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Biodiversität in der Lieferkette: Förderung der biologischen Vielfalt auf Apfelplantagen und beim Gemüseanbau

Aktionsfeld

Biologische Vielfalt im Nachhaltigkeitsmanagement


Beteiligte Akteure

  • REWE Group
  • Obst vom Bodensee Vertriebsgesellschaft mbH
  • Marktgemeinschaft Bodenseeobst eG. (MaBo)
  • Württembergische Obstgenossenschaft Raiffeisen e.G. (WOG)
  • NABU e.V.
  • Birdlife Österreich
  • Bodensee-Stiftung

Ziele

Das Projekt „Biodiversität in der Lieferkette: Förderung der biologischen Vielfalt auf Apfelplantagen und beim Gemüseanbau“ soll dazu beitragen, die biologische Vielfalt im konventionellen Obst- und Gemüseanbau zu fördern. Dies soll durch konkrete Maßnahmen zur Schaffung von Potentialen für Biodiversität umgesetzt werden. Zudem sollen negative Wirkungen für die biologische Vielfalt verringert werden. Ziel ist es, durch eine gute Zusammenarbeit von Landwirtschaft und Naturschutz die biologische Vielfalt auf Apfelplantagen und in deren direktem Umfeld zu erhöhen.


Kurzbeschreibung

2010 starten die Bodensee-Stiftung, die Obst vom Bodensee Vertriebsgesellschaft mbH und die REWE Group die Initiative "Pro Planet Äpfel: Artenvielfalt schützend“. Die Bodensee-Stiftung sowie die NABU-Ortsgruppen entscheiden anhand eines Maßnahmenkatalogs gemeinsam mit den Obstbauern, welche Maßnahmen in den Betrieben und auf deren Flächen umgesetzt werden. Aus diesem Katalog werden die Maßnahmen individuell ausgewählt, die optimal zu den regionalen Bedingungen passen. So wird gewährleistet, dass sich die Maßnahmen in die Produktion integrieren lassen und einen bestmöglichen Nutzen für den Naturschutz haben. Der Umfang der Aktionen wird anhand eines naturschutzfachlichen Punktesystems ausgewählt und sichert entsprechende Mindestanforderungen.

Vom ökologischen Engagement profitieren auch die Obstbauern: Viele Vogelarten wirken als natürliche Helfer, weil sie schädigende Insekten oder Mäuse vertilgen. Wildbienen, Käfer, Fliegen und Schmetterlinge sichern zudem die Bestäubung der Apfelblüten. Das Projekt zeigt, dass Landwirtschaft und Naturschutz keine Gegensätze sein müssen: Im konventionellen Apfelanbau ist das Potential zur Förderung der biologischen Vielfalt groß.

REWE- und PENNY-Märkte werden innerhalb der deutschen Apfelsaison überwiegend mit Eigenmarken-Äpfeln aus dem Projekt beliefert. Die Äpfel der beteiligten Landwirte werden nicht nur an die REWE Group verkauft, sondern auch an andere Lebensmittelhändler. Allerdings ist REWE bislang der einzige Händler, der die Umsetzung der Maßnahmen finanziell unterstützt und die Äpfel und ihren Mehrwert für die Biologische Vielfalt auch unter dem Pro Planet Label kommuniziert und vermarktet. Mit dem Label „Pro Planet“ kennzeichnet die REWE Group nachhaltige Eigenmarkenprodukte. Es dient als Orientierung für einen umwelt- und sozialverträglicheren Einkauf.


Maßnahmen zur Zielerreichung

Die Projekt-begleitenden Aktivitäten fangen mit der gemeinsamen Auswahl von Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität durch die Landwirte und die Naturschutzorganisationen an. Durch deren Umsetzung und das Monitoring der Wirkungen wird das Projekt kontinuierlich überprüft. Zu den angewendeten Maßnahmen gehören:

Pflanzungen/Erhalt von Gehölzen:

  • Pflanzungen (Hochstämme, Halb-/Kleinbäume, Wildsträucher/Hecken/Gehölze, Pollen- und Brutgehölze an den Reihenenden): 5.567 seit 2010, davon 810 im Jahr 2017
  • Anlegen und Pflege von Streuobstwiesen
  • Blühflächen: 300 ha seit 2010, davon 95 ha im Jahr 2017
  • Strukturanreicherungen wie Trockenstein-/Natursteinmauern, Sitzstangen/-krücken, Feuchtsenken/Kleingewässer, Flutung von Gräben, Anlage von Flachwasserbereichen in Bewässerungsbecken, Reisighaufen, Totholzhaufen, Holzstapel, Wurzelstubben, Lesesteinhaufen, Ziegelschüttung, Kiesschüttung, Sandhaufen Nisthilfen.

Artenschutzmaßnahmen:

  • Nisthilfen für Vögel (Singvögel, Turmfalke, Schleiereule, Steinkauz): 6.283 seit 2010, davon 1.232 im Jahr 2017
  • Fledermauskästen: 357 seit 2010, davon 120 im Jahr 2017
  • Nisthilfen für Insekten (Nisthölzer, Wildbienenhotel, Florfliegenkästen): 2.328 seit 2010, davon 567 im Jahr 2017

Die Förderung von Kleinsäugern wird durch die Einrichtung von Versteckmöglichkeiten wie:

  • Schaffung, Erhalt und Pflege von Biotopen für Amphibien
  • naturnahe Gestaltung von Betriebsgeländen

Durch Anzeigen, Videos und Infomaterialien über das Projekt zu den Pro Planet Äpfeln werden die Kunden über die Bedeutung der Biodiversität - insbesondere die Bedeutung der bestäubenden Insekten - informiert. Die positiven Ergebnisse des Monitorings wurden über Pressemitteilungen und auf Veranstaltungen kommuniziert.


Laufzeit

Seit 2010 fortlaufend


Ergebnisse

Der kontinuierliche fachliche Austausch zwischen Naturschützern, Wissenschaftlern, Landwirten und Lieferanten ist einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren des Projektes. Schon innerhalb weniger Jahre nach Projektstart stieg die Zahl der beteiligten Obstbauern in der Bodenseeregion von 10 auf über 100. Inzwischen beteiligen sich 250 Landwirte in 13 Anbauregionen an dem Projekt und setzen Maßnahmen um, die Potentiale für mehr Biodiversität schaffen. Seit 2011 wird die Initiative - begleitet von NABU und Birdlife Österreich - auf andere Obstanbauregionen ausgeweitet.

Bereits seit 2016 laufen entsprechende Pilotprojekte im Kartoffel- und Gemüseanbau. 2018 wurden diese deutschlandweit ausgerollt. Über 30 Kartoffel- und mehr als 10 Gemüse-Erzeugerbetriebe unterstützen die Ausweitung des PRO PLANET-Projekts und decken damit fast alle Anbauregionen Deutschlands ab. Die ersten Kartoffel- und Gemüse-Produkte mit dem PRO PLANET-Label finden Kunden zu Beginn der deutschen Erntesaison seit Mai 2018 in den Regalen der REWE- und PENNY-Märkte. Seit der Ernte 2018 werden Chinakohl, Brokkoli, Romana-Salatherzen, Eisbergsalat, Möhren und Kartoffeln in den REWE- und PENNY-Märkten mit dem PRO PLANET-Nachhaltigkeitslabel „Artenvielfalt schützend“ ausgezeichnet.
Seit 2010 wurden über 300 Hektar (das entspricht rund 420 Fußballfeldern) an ein- und mehrjährigen Blühflächen angelegt, über 5.500 Hecken, Bäume und Sträucher gepflanzt sowie über 2.000 Insekten-Nisthilfen aufgestellt. Die positiven Auswirkungen der umgesetzten Maßnahmen konnten durch das im Jahr 2017 durchgeführte Wildbienenmonitoring in Obstanlagen im Bodenseegebiet belegt werden. Im Vergleich zu 2010 wurde ein deutlicher Zuwachs um etwa 100 Prozent von 56 auf 117 Wildbienenarten festgestellt, darunter auch 25 (2010: 5) Arten, die landesweit als bedroht bzw. nicht ungefährdet (Vorwarnliste) zählen, wie die Bärtige Sandbiene, die Große Harzbiene, die Wald-Pelzbiene oder die Rötliche Kegelbiene. Die 2017 durchgeführte Erfolgskontrolle macht deutlich, dass auch intensiv genutzte Niederstamm-Obstanlagen Lebensraum für eine große Anzahl von Wildbienen sein können. Voraussetzung dafür ist, dass zusätzliche Blühflächen und Nisthilfen für die so wichtigen Bestäuberinsekten dauerhaft bereitgestellt werden.

Darüber hinaus konnten 6.000 Vogelnistkästen und Fledermausquartiere aufgehängt, 400 Totholzhaufen angelegt und über 1.000 Sitzstangen für Greifvögel aufgestellt werden. Auch die zahlreichen Nisthilfen und Artenschutzmaßnahmen für Vögel, Fledermäuse und Insekten zeigen positive Wirkung: So wurde 2017 eine Rekordzahl von 22 (2016: 16) Turmfalken-Brutpaaren im südlichen Rheinland gezählt.

Kontakt

Patrick Trötschler

Bodensee-Stiftung
Fritz-Reichle-Ring 4
78315 Radolfzell