Bundesamt für Naturschutz

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Häufige Fragen zur "biologischen Vielfalt" oder "Biodiversität"

1. Was bedeutet biologische Vielfalt?

Die biologische Vielfalt umfasst drei Bereiche: die Vielfalt der Arten, die Vielfalt der Lebensräume und die genetische Vielfalt innerhalb einer Art. Diese drei Aspekte hängen eng zusammen und beeinflussen sich gegenseitig.

2. Wie viele Tier-, Pflanzen- und Pilzarten gibt es? Sind alle schon erforscht und bekannt?

Schätzungen, wie viele Arten es auf der Erde gibt, schwanken stark. So wurden Zahlen zwischen 5 und 80 Millionen Arten genannt. Experten gehen von knapp 9 Millionien Arten aus ( Mora et al. 2011). Derzeit bekannt und wissenschaftlich beschrieben sind bislang etwa 1,74 Millionen Arten. Mehr als eine Million davon entfallen auf die Klasse der Insekten, 330.000 Arten sind Pflanzen und knapp 100.000 Arten gehören zu den Pilzen. In Deutschland sind insgesamt etwa 71.500 Arten nachgewiesen ( Artenschutzreport 2015).

3. Wo ist die Artenvielfalt am höchsten?

Die Artenvielfalt auf der Erde ist nicht überall gleichmäßig verteilt. Weltweit gibt es fünf Regionen, in denen mit mehr als 5000 verschiedenen Pflanzenarten pro 10.000 qkm eine besonders hohe Artendichte herrscht  (Barthlott et al. 2004). Allein Brasilien beherbergt insgesamt 56.000 verschiedene Pflanzenarten. ( BMUB: Fakten zur Biodiversität). Alle fünf Regionen liegen in den Tropen und Subtropen.

Aufgrund seiner geographischen Lage und weltgeschichtlichen Entwicklung gehört Deutschland zu den eher artenärmeren Gebieten: Der Gesamtbestand an wild lebenden Pflanzenarten in Deutschland wird auf 9500 Arten geschätzt.  (Artenschutzreport 2015) 

4. Wodurch ist die biologische Vielfalt gefährdet?

Für den Rückgang der Artenvielfalt ist vor allem der Mensch verantwortlich. Gründe gibt es viele: Der Raubbau an der Natur lässt aus Wäldern Agrarsteppen entstehen, und Flussauen machen Siedlungen Platz. Vom Menschen eingeschleppte Arten verdrängen die einheimische Flora und Fauna. Und auch der Klimawandel beeinträchtigt Lebensgemeinschaften, etwa weil weniger Niederschläge fallen.

5. Hat der Klimawandel etwas mit dem Thema Biodiversität zu tun?

Ja, klimatische Veränderungen wirken sich auf Tiere, Pflanzen und deren Lebensräume aus. So kann schon ein Temperaturanstieg um wenige Grade oder das Ausbleiben von Niederschlägen über einen längeren Zeitraum zum Aussterben von Tier- und Pflanzenarten führen.

6. Woran zeigt sich, dass biologische Vielfalt verlorengeht?

Derzeit sind etwa 24.000 Arten vom Aussterben bedroht  (IUCN Red List 2017). Tiere wie der chinesische Flussdelfin, der Pyrenäen-Steinbock oder der Java-Tiger sind für immer verschwunden. Viele Meeresfischbestände sind gefährdet. Karibische Korallenriffe sind bereits jetzt zu 80 Prozent zerstört ( TEEB - The Economics of Biodiversity and Ecosystems 2008). Aber auch an Land sind die Verluste deutlich: 13 Millionen Hektar Wald werden jährlich vernichtet ( FAO, Global Forest Resources Assessment). Und die intensive Landwirtschaft führt dazu, dass wertvolle Sorten von Nutzpflanzen verlorengehen. 

7. Geht das Artensterben immer so weiter?

Momentan ist die Rate des weltweiten Artensterbens hundert- bis tausendfach so hoch wie die natürliche Aussterberate. Laut  Weltnaturschutzunion IUCN  steigt die Anzahl der vom Aussterben bedrohten Arten kontinuierlich an. 2017 waren rund 24.000 Arten weltweit vom Aussterben bedroht - zur Jahrtausendwende mit 11.000 bedrohten Arten noch nicht einmal die Hälfte. Unter den bedrohten Tierarten sind heute 25 Prozent aller Säugetiere, 13 Prozent der Vögel und 42 Prozent der Amphibien.

8. Warum muss biologische Vielfalt erhalten bleiben? Reicht es nicht aus, wenn die Stärksten überleben?

Vielfalt ist das wichtigste Überlebensprinzip in der Natur. Nur bei einer hohen Artenvielfalt und einer großen genetischen Bandbreite innerhalb einer Art ist die Natur in der Lage, mit veränderten Bedingungen zurechtkommen.

9. Wie wirkt sich der Verlust von Arten auf unser Leben aus?

Der Verlust der Artenvielfalt wirkt sich auch auf uns Menschen negativ aus, denn die Vielfalt der Natur ist die Grundlage unseres Lebens. Arten sind Nahrungsmitel, Rohstoff und Arznei. Sie sorgen für saubere Luft und sauberes Wasser und leisten Hochwasserschutz und Erosionsschutz. Zudem sind sie Vorbilder vieler technischer Innovationen.

Drei Viertel aller Nahrungspflanzen hängen zumindest teilweise von der Bestäubung durch Insekten ab. Allein die von bestäubenden Insekten abhängige Agrarwirtschaft hatte im Jahr 2005 weltweit einen Wert von 153 Milliarden Dollar. Ein weiterer wichtiger Wirtschaftsfaktor sind Arzneimittel: Weltweit werden zwischen 48.000 und 57.000 verschiedene Farn- und Blütenpflanzen zu Heilzwecken genutzt  (Artenschutzreport 2015).

Mehr zum Thema:

Mehr über die Artenvielfalt in Deutschland und weltweit im Artenschutzreport des BfN:

 Zum Artenschutzreport (pdf)