Bundesamt für Naturschutz

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Häufig gestellte Fragen zur Nationalen Biodiversitätsstrategie


Warum hat die Bundesregierung 2007 eine Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt beschlossen?

Schon 1992 wurde auf der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung das "UN-Übereinkommen über die biologische Vielfalt" (Convention on Biological Diversity, CBD) beschlossen. Deutschland hat das Übereinkommen 1993 ratifiziert. Inzwischen sind 196 Staaten weltweit der CBD beigetreten, 167 Staaten und die EU haben das Übereinkommen ratifiziert (Liste aller Vertragsstaaten in englischer Sprache).

Die CBD verpflichtet die Mitgliedsstaaten in Artikel 6, "… nationale Strategien, Pläne oder Programme zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt (zu) entwickeln oder zu diesem Zweck ihre bestehenden Strategien, Pläne und Programme an(zu)passen". Inzwischen haben über 90 Prozent der Vertragsstaaten eine Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt – oder etwas Vergleichbares gemäß Art. 6 der CBD - an das Sekretariat des Übereinkommens übermittelt.

Welche internationalen, europäischen und nationalen Verpflichtungen waren ausschlaggebend für die Erarbeitung einer NBS?

Neben der Verpflichtung durch Artikel 6 der CBD  war Deutschland auch durch zahlreiche andere politische Beschlüsse zur Vorlage einer nationalen Strategie zum Schutz der biologischen Vielfalt verpflichtet. HIerzu gehörten die bis dahin insgesamt acht Vertragsstaatenkonferenzen, die EU-Biodiversitätsstrategie von 1998, die Nationale Nachhaltigkeitsstrategie (Wegweiser Nachhaltigkeit, Kapitel C IV, 2005). Auch die Koalitionsvereinbarung der 16. Legislaturperiode der Bundesregierung von 2005 sah die Erarbeitung und Verabschiedung einer nationalen Strategie zum Schutz der biologischen Vielfalt vor. Die Bundesregierung hat sich bei der Erarbeitung der Nationalen Strategie an den Empfehlungen des CBD-Sekretariats zur Erarbeitung solcher Strategien orientiert.

Welche Bezüge zu internationalen, europäischen und nationalen Strategien, Programmen und Aktionsplänen hat die NBS?

Auf internationaler Ebene berücksichtigt die Strategie zur Biologischen Vielfalt die Beschlüsse der bis dahin acht Vertragsstaatenkonferenzen der CBD und die biodiversitätsrelevanten Beschlüsse des Weltgipfels für nachhaltige Entwicklung von 2002. Auf europäischer Ebene berücksichtigt die NBS die relevanten Beschlüsse der europäischen Nachhaltigkeitsstrategie von 2001, die EU-Biodiversitätsstrategie von 1998 sowie die einschlägigen EU-Aktionspläne von 2001 und 2006 wie die Mitteilung der Kommission "Eindämmung des Verlustes der biologischen Vielfalt bis zum Jahr 2010 und darüber hinaus" von 2006. Auf nationaler Ebene berücksichtigt die Nationale Biodiversitätsstrategie die Nationale Nachhaltigkeitsstrategie (2002, 2004, 2005) sowie alle einschlägigen deutschen Sektorstrategien und Fachprogramme des Bundes. Beschlüsse der Bundesländer spielen insbesondere bei den Indikatoren der Strategie eine Rolle.

An wen richtet sich die NBS?

Die Nationale Biodiversitätsstrategie wurde von der Bundesregierung erstellt und herausgegeben und verpflichtet diese bei der Umsetzung in ganz besonderer Weise. Dies trifft im Hinblick auf erforderliche Aktivitäten insbesondere für die Themen einer nachhaltigen Naturnutzung zu, während die Länder gemäß der Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern im Wesentlichen über den Naturschutz bei der Erhaltung der biologischen Vielfalt betroffen sind.

Darüber hinaus spricht die Strategie alle gesellschaftlichen Akteure an und mobilisiert und bündelt die gesellschaftlichen Kräfte in einem Dialogprozess, der 2007 begonnen hat und bis heute andauert. Wegen der großen Komplexität der Aufgabe der Erhaltung der biologischen Vielfalt, der hohen Zahl betroffener Politikbereiche und der vielen involvierten staatlichen und nicht-staatlichen Akteure kann die anspruchsvolle Aufgabe nur gemeinsam bewältigt werden.

Welchen Beitrag leistet die NBS zur Erhaltung der globalen Biodiversität?

Die deutsche Biodiversitätsstrategie zielt als nationale Strategie auf die Erhaltung und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt in Deutschland ab. Deutschland stellt auf Grund seiner geographischen Lage nur einen vergleichsweise kleinen Teil der globalen Biodiversität; trotzdem gibt es auch in Deutschland eine Reihe von Tier- und Pflanzenarten, die ausschließlich hier heimisch sind oder ihren weltweiten Verbreitungsschwerpunkt bei uns in Deutschland haben, und für deren Erhaltung Deutschland deshalb eine besondere Verantwortung hat. Insbesondere durch die internationalen wirtschaftlichen Verflechtungen beeinflusst Deutschland aber auch die biologische Vielfalt außerhalb seiner Grenzen. Deshalb berücksichtigt die Strategie auch die Auswirkungen deutscher Aktivitäten auf die biologische Vielfalt weltweit. Diesem Themenbereich kommt auch in der Naturschutz-Offensive 2020, dem Handlungsprogramm zur NBS von 2015, in Kapitel 7 besondere Bedeutung zu.

Welche Leistungen haben Bund und Länder zum Zeitpunkt des Beschlusses der Nationalen Strategie bereits erbracht, und warum waren und sind weitere Anstrengungen notwendig?

Die Vorlage einer Nationalen Biodiversitätsstrategie 2007 bedeutete nicht, dass Deutschland erst zu dem Zeitpunkt mit den Anstrengungen zum Erhalt der Biodiversität begonnen hätte. Die o. g. vielfältigen National- und Umsetzungsberichte zur CBD haben immer wieder darauf hingewiesen, dass in Deutschland bereits seit langem ein rechtliches, institutionelles und organisatorisches Instrumentarium vorhanden ist. Die bereits damaligen Anstrengungen der Länder insbesondere zur Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und zum Aufbau des Schutzgebietsnetzes Natura 2000 sollen hier besonders hervorgehoben werden.

Wie wird überprüft, ob die Ziele der NBS erreicht werden?

Die Strategie legt fest, dass mit Hilfe von Indikatoren eine zusammenfassende Erfolgskontrolle vorgenommen werden soll. Um den Erfolg bei der Umsetzung der NBS zu messen, werden alternierend alle zwei Jahre Indikatoren- und Rechenschaftsberichte zur NBS veröffentlicht.

Indikatorenbericht

Bereits bei ihrer Verabschiedung im Jahr 2007 enthielt die NBS ein Indikatorenset für die künftige Berichterstattung. Die Indikatoren informieren zusammenfassend über den Zustand und die Entwicklung der biologischen Vielfalt in Deutschland. Dieses Indikatorenset wurde im Laufe der Jahre ergänzt und weiterentwickelt:

Im Indikatorenbericht 2010 zur NBS wurden die bis zu diesem Zeitpunkt vorliegenden 19 Indikatoren erstmals in einheitlicher Form bilanziert.

Im Februar 2015 hat das Bundeskabinett den Indikatorenbericht 2014 beschlossen (BMUB 2015). Darin wird ein alarmierender Zustand der Biodiversität in der Normallandschaft festgestellt. Dieser war Anlass für die Erarbeitung der Naturschutzoffensive 2020, in der zehn Handlungsfelder identifiziert werden, in denen die Anstrengungen für den Erhalt der Biologischen Vielfalt deutlich verstärkt werden müssen.

Rechenschaftsbericht

Der Rechenschaftsbericht 2013 zum Umsetzungsstand der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt enthielt ein eigenes Kapitel, in dem mit Hilfe des Indikatorensets Bilanz gezogen wurde.

Den zweiten Rechenschaftsbericht zur NBS hat das Bundeskabinett im Sommer 2017 beschlossen. Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass sich dort Erfolge bei der Erhaltung der biologischen Vielfalt zeigen, wo Naturschutz aktiv betrieben wird - wie z.B. in den Schutzgebieten, bei vielen Flüssen und Wäldern. In der Agrarlandschaft jedoch halte der Verlust der Biodiversität an und es bedürfe erheblicher zusätzlicher Anstrengungen in möglichst allen betroffenen Politikfeldern, um den Negativ-Trend zu stoppen.

Weitere Informationen zu Indikatoren und Berichterstattung

Wie ist das Indikatorenset der Strategie zur biologischen Vielfalt zusammengesetzt?

Indikatoren fassen vielschichtige Sachverhalte verständlich zusammen und machen Trends erkennbar. Sie haben sich international, im europäischen Raum und auch national bereits als geeignetes Instrumentarium bewährt. Für die nationale Strategie zur biologischen Vielfalt wurden Indikatoren ausgewählt, die geeignet sind, möglichst breit die in der Strategie behandelten Themen abzubilden. Dabei wurde auf die bestehende Indikatorenentwicklung im internationalen, europäischen, nationalen Raum und auf Bundesländerebene sowie größtmögliche Nutzung von Synergieeffekten geachtet.

Das Indikatorenset wurde bis heute mehrfach überarbeitet und ergänzt (Stand: Dezember 2017). Es enthält Zustands-, Belastungs- und Maßnahmenindikatoren und ist mit den bestehenden Indikatorensystemen kompatibel. Zusammenstellung und Auswertung erfolgen durch das Bundesamt für Naturschutz.

Weitere Informationen zu den Indikatoren.

Wie wurden staatliche und nicht-staatliche Akteure bei der Erarbeitung der NBS einbezogen?

Bei der Erarbeitung des Entwurfs der NBS ist das Wissen von Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Naturschutzfachbehörden, Umwelt- und Naturschutzverbänden sowie des Gender Mainstreamings genutzt worden (im Rahmen von sieben meist zweitägigen Veranstaltungen zwischen Dezember 2004 und September 2005). Der Schwerpunkt lag zu diesem Zeitpunkt bewusst auf der naturschutzfachlichen Expertise und im noch neuen Bereich der geschlechtsspezifischen Aspekte. Nach Zustimmung der Bundesressorts, d. h. nach Abschluss der ersten Runde der Ressortabstimmung, wurden Länder und Verbände breit beteiligt. Die Länder wurden über die Länder-Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz, Landschaftspflege und Erholung (LANA) eingebunden. Die Verbändebeteiligung richtete sich an Naturschutzverbände, Verbände der Naturnutzung, Vertreterinnen und Vertreter aus einschlägigen Wissenschaften sowie Verbände und Expertinnen des Gender Mainstreamings.

Für welche Politikbereiche ist die NBS relevant?

Die NBS ist jehr als nur ein Naturschutzübereinkommen im engeren Sinne. Die Nutzung – und damit das wirtschaftliche Potenzial - der natürlichen Ressourcen ist ebenfalls ein wesentlicher Aspekt der Erhaltung der Biodiversität. Die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt ist deshalb auch eine Strategie zur Integration von Naturschutzbelangen in andere Politikbereiche. Sie kann als gesamtgesellschaftliches Programm verstanden werden.

Wie wird die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt umgesetzt?

Die Umsetzung hat unmittelbar nach Verabschiedung der Strategie durch das Bundeskabinett begonnen. Bereits im Dezember 2007 wurde ein Follow up-Prozess sowohl mit nicht-staatlichen wie mit staatlichen Akteuren gestartet.

Auftakt war das 1. Nationale Forum zur biologischen Vielfalt im Dezember 2007. Die Nationalen Foren werden jährlich durchgeführt, haben jedes Mal einen anderen Themenschwerpunkt und dienen der Vernetzung aller am Umsetzungsprozess beteiligten Akteure.

2008, im ersten Jahr nach der Veröffentlichung der Strategie, fanden außerdem insgesamt acht Regionalforen in verschiedenen Regionen Deutschlands zu verschiedenen Schwerpunktthemen stattgefunden. Sie dienten in erster Linie dazu, die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt bundesweit bekannt zu machen. Im selben Jahr startete eine Reihe akteursspezifischer Dialogforen, die bis heute fortgeführt wird. Wichtige Akteurskreise sind der Naturschutz mit den entsprechenden Verbänden, Landwirtschaft und ländlicher Raum, Wissenschaft und Forschung, Unternehmen und weitere gesellschaftliche Gruppen, wie etwa Kirchen und Religionsgemeinschaften.

2010 wurde im Rahmen des Dialogforums „Kommunen" eine Selbstverpflichtung in Form einer Deklaration erarbeitet, mit deren Unterzeichnung Städte und Gemeinden ihren Willen bekundeten, sich für die Biodiversität in den Kommunen zu engagieren. 280 Kommunen haben die Deklaration inzwischen unterzeichnet. Sie war auch Grundlage für das Bündnis "Kommunen für biologische Vielfalt", das 2012 ins Leben gerufen wurde und dem zur Zeit 125 Kommunen angehören (Stand: Dezember 2017).

Seit 2010 finden regelmäßig Länderforen zur biologischen Vielfalt statt. Ziel ist es, den Austausch über den Stand der Entwicklung und Umsetzung der Strategien und Aktionspläne zur biologischen Vielfalt auf Bundes- und Landesebene zu ermöglichen und das Netzwerk der verantwortlichen Akteure zu stärken. Zudem sollen Ansatzpunkte zur Gewinnung von Synergieeffekten ausgelotet und Möglichkeiten für gemeinsame Maßnahmen entwickelt werden.

Einen umfassenden Überblick über den gesamten Dialogprozess zur Umsetzung der Strategie finden Sie hier.

Was ist die Naturschutz-Offensive 2020?

Der Indikatorenbericht 2014 zur NBS, der im Jahr 2015 veröffentlicht wurde, hatte deutlich gezeigt, dass die bis dahin ergriffenen Maßnahmen zum Schutz und für die Erhaltung der biologischen Vielfalt nicht ausreichen würden, um die ehrgeizigen Ziele der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt zu erreichen. Um dem Umsetzungsprozess der Strategie neuen Schwung zu verleihen, hat Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks deshalb im Oktober 2015 mit der „Naturschutz-Offensive 2020“ ein ambitioniertes Handlungsprogramm zur NBS vorgestellt. Die „Naturschutz-Offensive 2020“ macht deutlich, in welchen Handlungsfeldern die größten Defizite bestehen und wo genau bis zum Jahr 2020 verstärkte Anstrengungen zur Erhaltung der biologischen Vielfalt von welchen Akteuren gefordert sind. Dazu werden zehn prioritäre Handlungsfelder definiert und insgesamt 40 vordringliche Maßnahmen beschrieben.

Mehr zur Naturschutzoffensive 2020 können Sie hier lesen.

Was ist das Bundesprogramm Biologische Vielfalt?

Das Bundesprogramm Biologische Vielfalt ist ein Förderprogramm, das speziell der Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt dienen soll. Gefördert werden Vorhaben, denen im Rahmen der NBS eine gesamtstaatlich repräsentative Bedeutung zukommt oder die diese Strategie in besonders beispielhafter und maßstabsetzender Weise umsetzen.

Das Bundesprogramm wurde 2010 entwickelt und 2011 gestartet. Das Programm ist in vier Förderschwerpunkte gegliedert: Arten in besonderer Verantwortung Deutschlands, Hotspots der biologischen Vielfalt in Deutschland, Sichern von Ökosystemdienstleistungen und weitere Maßnahmen von besonderer repräsentativer Bedeutung für die Nationale Strategie.

An der Durchführung der Vorhaben muss ein erhebliches Bundesinteresse bestehen. Die geförderten Maßnahmen sollen dazu beitragen, den Rückgang der biologischen Vielfalt in Deutschland zu stoppen und mittel- bis langfristig in einen positiven Trend umzukehren. Sie müssen dem Schutz und der nachhaltigen Nutzung sowie der Entwicklung der biologischen Vielfalt dienen und über die rechtlich geforderten Standards hinausgehen.

Mehr Informationen über das Bundesprogramm Biologische Vielfalt

In welchem Zusammenhang steht die UN-Dekade Biologische Vielfalt 2011 – 2020 zur Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt?

Die Vereinten Nationen haben im Dezember 2010 das Jahrzehnt von 2011 bis 2020 zur "UN-Dekade Biologische Vielfalt" ausgerufen. Die Dekade soll die Umsetzung des Strategischen Plans des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) unterstützen. In Deutschland geschieht dies neben der Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt und der Naturschutzoffensive 2020 auch durch gesonderte Aktivitäten, die Deutschland im Rahmen der UN-Dekade für biologische Vielfalt durchführt.

Ziel der UN-Dekade Biologische Vielfalt 2011-2020 in Deutschland ist es, möglichst viele Menschen für den Schutz und die Erhaltung der Biodiversität zu begeistern. Zentrales Instrument ist der Wettbewerb für UN-Dekade-Projekte und -Beiträge. Die deutsche UN-Dekade wurde mit Mitteln des BMUB und in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Naturschutz eingerichtet.

Mehr Informationen zu den deutschen Aktivitäten im Rahmen der UN-Dekade Biologische Vielfalt