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Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert

Diagramm

Grafik: BfN 2014, Daten: BfN und Bundesländer 2014
Das Säulendiagramm stellt die Entwicklung des Indikators „Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert“ dar.

Kurzfassung

Indikator "Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert"
Themenfelder der NBS B 2.4 Landwirtschaft, C 6 Land- und Forstwirtschaft
Definition Der Indikator gibt Auskunft über den Umfang von Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert (HNV Farmland, High Nature Value Farmland), die zur Erhaltung der biologischen Vielfalt beitragen.
Gemessene oder beobachtete Größe Anteil der Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert (HNV Farmland, High Nature Value Farmland) an der gesamten Landwirtschaftsfläche
Letzter berichteter Wert 11,8 % (Stand: 2013)
Ziel/Zielwert Bis zum Jahr 2015 sollen HNV-Farmland-Flächen mindestens 19 % der Landwirtschaftsfläche bedecken.
Status MinusDer aktuelle Wert liegt noch weit vom Zielbereich entfernt (Zielerreichungsgrad 50 % bis < 80 %).
Trend n.v.
Kernaussage Im Jahr 2013 betrug der Anteil der Landwirtschaftsflächen mit äußerst hohem Naturwert
2,2 %, mit sehr hohem Naturwert 4,3 % und mit mäßig hohem Naturwert 5,3 % (HNV-Farmland-Flächen mit einem Gesamtanteil von 11,8 %).
Um das Ziel bis zum Jahr 2015 zu erreichen, müssen gezielt Maßnahmen zur Förderung der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft ergriffen werden.
Indikatorensystem SEBI

Einführung

Strukturreiche Agrarlandschaft mit hohem Naturwert in der Fränkischen Schweiz © Ulrich Sukopp
Foto eines einer strukturreichen Kulturlandschaft

Die biologische Vielfalt auf landwirtschaftlich genutzten Flächen ist in den letzten 50 Jahren durch veränderte Bewirtschaftungsformen, insbesondere durch die fortschreitende Technisierung der Landwirtschaft deutlich zurückgegangen. Um diesem Verlust entgegenzuwirken, fördert die EU Maßnahmen der ländlichen Entwicklung u. a. mit dem Ziel, den Zustand von Umwelt und Landschaft zu verbessern. Die Förderung der Entwicklung des ländlichen Raums ist in den Mitgliedsstaaten der EU durch die ELER-Verordnung geregelt.

Die Verordnung (EG) Nr. 1698/2005 des Rates vom 20. September 2005 regelt die Förderung der Entwicklung des ländlichen Raums durch den Europäischen Landwirtschaftsfond für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER). Sie wird ergänzt durch die Durchführungsbestimmungen der Verordnung (EG) Nr. 1974/2006 der Kommission vom 15. Dezember 2006.

Im Rahmen der europäischen Förderpolitik (ELER) ist u. a. der Basisindikator „High Nature Value Farmland“ (HNV Farmland, Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert) neu eingeführt worden. Die Mitgliedsstaaten – in Deutschland der Bund ebenso wie die Länder – sind verpflichtet, für diesen Indikator die Daten regelmäßig zu erfassen und zu berichten. Der Indikator soll dazu beitragen, Aussagen zu Auswirkungen der Landwirtschaft auf die biologische Vielfalt sowie zu Erfolgen bei der Förderung der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft zu treffen. Um die hierfür notwendigen Daten bereitzustellen, werden in einem neu konzipierten bundesweiten Monitoring im Rahmen eines Stichprobenverfahrens seit 2009 Landwirtschaftsflächen mit Hilfe einer standardisierten Erfassungs- und Bewertungsmethode kartiert. Die in der Stichprobe ermittelten Flächenanteile werden auf die landesweite Landwirtschaftsfläche hochgerechnet. Hierfür erfolgen eine regelmäßige Bestimmung des Anteils der Flächen mit hohem Naturwert (in ha) und eine Einordnung in Qualitätsstufen.


Definition

Der Indikator bilanziert den Anteil der Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert (HNV-Farmland-Flächen) an der gesamten Landwirtschaftsfläche. Als Landwirtschaftsfläche mit hohem Naturwert gelten extensiv genutzte, artenreiche Grünland-, Acker-, Streuobst- und Weinbergsflächen sowie Brachen. Hinzu kommen strukturreiche Landschaftselemente wie z. B. Hecken, Raine, Feldgehölze und Kleingewässer, soweit sie zur landwirtschaftlich genutzten Kulturlandschaft gehören. Die Einstufung von Flächen und Landschaftselementen erfolgt nach einem festgelegten System von Qualitätskriterien. HNV-Farmland-Flächen werden in Flächen mit äußerst hohem, sehr hohem und mäßig hohem Naturwert unterteilt.

Als Ziel für die Zunahme des Anteils von Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert wurde in der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt eine Steigerung um mindestens 10 Prozentpunkte im Zeitraum von 2005 bis 2015 festgelegt. Da die Erfassung erstmals im Jahr 2009 durchgeführt wurde, wird als Startwert der Stand des Jahres 2009 herangezogen. Soll der Anteil der HNV-Farmland-Flächen beginnend im Jahr 2009 über einen Zeitraum von 10 Jahren um mindestens 10 Prozentpunkte angehoben werden und unterstellt man eine lineare Entwicklung bis zum Jahr 2019, ergibt sich als Zielwert eine Erhöhung um mindestens sechs Prozentpunkte auf einen Anteil von mindestens 19 % der Landwirtschaftsfläche bis zum Jahr 2015.

„Bis 2015 nimmt der Flächenanteil naturschutzfachlich wertvoller Agrarbiotope (hochwertiges Grünland, Streuobstwiesen) um mindestens 10 % gegenüber 2005 zu. In 2010 beträgt in agrarisch genutzten Gebieten der Anteil naturnaher Landschaftselemente (z. B. Hecken, Raine, Feldgehölze, Kleingewässer) mindestens 5 %.“ (BMU 2007: 47)


Aufbau

Die HNV-Farmland-Flächen werden bundesweit in einer repräsentativen Stichprobe auf 915 Flächen von je einem Quadratkilometer Größe erfasst. Diese Flächen werden auch für das Brutvogelmonitoring genutzt, das u. a. die Daten für den Indikator „Artenvielfalt und Landschaftsqualität“ (s. Kap. 2.1.1) bereitstellt. Bei der Erstaufnahme im Jahr 2009 wurden alle Stichprobenflächen bearbeitet. Seitdem wird alle zwei Jahre auf jeweils der Hälfte der Stichprobenflächen eine Wiederholungskartierung durchgeführt. Somit lagen im Jahr 2013 für jede Stichprobenfläche zwei vollständige Erfassungen vor. Künftig soll der Indikatorwert alle zwei Jahre für die Berichterstattung aktualisiert werden. Dabei sollen jeweils die Daten der letzten vier Jahre in die Berechnung einfließen (gleitendes Vierjahresmittel).

Bei der Kartierung werden alle Landwirtschaftsflächen einer Stichprobenfläche im Gelände begutachtet. Für Flächen und Strukturelemente, die gemäß dem bundesweit einheitlichen Erfassungsschlüssel als HNV Farmland anzusprechen sind, werden Flächentyp und Bewertung aufgenommen und die Flächen werden in einem Geographischen Informationssystem digitalisiert. Die Größe der Landwirtschaftsfläche mit hohem Naturwert in den drei Wertstufen wird aus der Stichprobe für ganz Deutschland hochgerechnet und in Prozent der gesamten Landwirtschaftsfläche angegeben. Hierfür wurde die Landwirtschaftsfläche über das Amtliche Topographisch-Kartographische Informationssystem (ATKIS) bestimmt. Die Kriterien für die Aufnahme und Bewertung der HNV-Farmland-Flächen, die in der Erfassungsanleitung zusammengestellt sind, wurden in den vergangenen Jahren im Gelände überprüft und modifiziert. Die Werte für das Jahr 2009 wurden entsprechend neu berechnet.


Aussage

Die Kartierungsergebnisse aus dem Jahr 2013 liefern einen Indikatorwert von 11,8 % Anteil der HNV-Farmland-Flächen an der gesamten Landwirtschaftsfläche. 2,2 % der Landwirtschaftsfläche wurden als Flächen mit äußerst hohem und 4,3 % als Flächen mit sehr hohem Naturwert eingestuft. Da Flächen mit sehr hohem und äußerst hohem Naturwert von herausragender Bedeutung für den Schutz der biologischen Vielfalt in der Agrarlandschaft sind, ist künftig durch eine verbesserte Honorierung der Leistungen der Landwirte insbesondere die Erhaltung und Ausweitung dieser Bereiche zu fördern. Mit 5,3 % Flächenanteil wurde knapp die Hälfte der HNV-Farmland-Fläche als Landwirtschaftsfläche mit mäßig hohem Naturwert eingestuft. Diese Flächen erfüllen die Anforderungen für eine Einordnung in die unterste Stufe des HNV Farmland, da ihr Arten- und Strukturreichtum etwas höher ist als bei Flächen, die nicht zu HNV-Farmland-Flächen zählen. Insgesamt verschlechterte sich der Indikatorwert im Vergleich zum Jahr 2009 um 1,3 Prozentpunkte. Besonders starke Rückgänge sind bei extensiv genutztem Grünland und Äckern sowie artenreichen Brachen festzustellen, während der Anteil strukturreicher Landschaftselemente im Wesentlichen gleich geblieben ist.

Auf regionaler Ebene sind Verluste des Gesamtanteils des HNV Farmland besonders groß in Gebieten mit hohen Ausgangswerten im Jahr 2009. Ausgeprägte Rückgänge finden sich u. a. im Norden Deutschlands von den Bördelandschaften bis zu Alt- und Uckermark sowie teilweise in den Mittelgebirgen. Dagegen ist im Südwesten (südwestdeutsche Schichtstufenlandschaft) eine leichte Zunahme des HNV-Farmland-Anteils festzustellen.

Um den HNV-Farmland-Gesamtanteil bis 2015 auf 19 % zu erhöhen, sind weiterhin große und gezielte Anstrengungen erforderlich. Hierzu könnten flankierend zu anderen Maßnahmen Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen, die umwelt- und naturverträgliche Produktionsformen in der Landwirtschaft honorieren und die biologische Vielfalt fördern, einen Beitrag leisten. Dabei sollten weiterhin folgende Maßnahmen verfolgt werden:

  • Vermeidung weiteren Grünlandumbruchs,
  • Einrichtung von extensiv genutzten oder ungenutzten Pufferstreifen um Landschaftselemente und Äcker,
  • Erhaltung von Ackerbracheflächen auf Böden mit niedrigen Bodenpunkten durch gezieltes Brachemanagement,
  • Erhöhung des Umfangs des Vertragsnaturschutzes zur Sicherung artenreicher, agrarisch geprägter Offenlandlebensräume,
  • Integration von Extensivflächen (u. a. gemanagte Naturschutzbrachen, Blühstreifen, Pufferstreifen entlang von naturnahen Biotopen) in leistungsfähige konventionelle und ökologische Nutzungssysteme,
  • Nutzungsextensivierungen auf geeigneten Grünlandflächen.

Um bei der Umsetzung dieser Maßnahmen die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe zu erhalten, ist im Falle wirtschaftlicher Einbußen ein finanzieller Ausgleich für die Bewirtschafter bereitzustellen.

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Weitere Informationen

Der Indikator gibt Auskunft über den Umfang von Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert (HNV Farmland, High Nature Value Farmland), die zur Erhaltung der biologischen Vielfalt beitragen.