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Gipskarst Südharz - Artenvielfalt erhalten und erleben


Ausblick von den "Sattelköpfen" © LPV
Perlmuttfalter auf Mücken-Händelwurz © LPV
Purpur-Knabenkraut © LPV

Der Hotspot „Südharzer Zechsteingürtel, Kyffhäuser und Hainleite“ erstreckt sich über die drei Bundesländer Thüringen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Das Teilgebiet „Südharzer Zechsteingürtel“ stellt das größte und bedeutendste Gipskarstgebiet Mitteleuropas dar. Im Gegensatz zu anderen Karstgebieten ist es von Vegetation bedeckt und wird deshalb als „Grüner Karst“ bezeichnet, wobei naturnahe Wälder circa 30 % der Fläche einnehmen. Bemerkenswert sind Orchideen -Buchenwälder sowie Gipsfelsen mit Kalk-Pionierrasen, Gips-Schutthalden mit Glazialrelikten sowie artenreiche Halbtrocken- und Trockenrasen, die  Orchideen und Steppenpflanzen aufweisen. Das Projektgebiet befindet sich im thüringischen Teil der Hotspot-Kulisse im Landkreis Nordhausen.

Einzigartige Kulturlandschaft erhalten

Zentrales Ziel  dieses Hotspot-Projektes sind der Schutz und Erhalt der einzigartigen Kulturlandschaft des Südharzer Zechsteingürtels. Durch jahrhundertelange extensive Beweidung haben sich hier vielerorts Trocken-und Halbtrockenrasen sowie Zwergstrauchheiden entwickelt. Der Artenreichtum dieser Offenlandlebensräume ist jedoch durch eine stetig sinkende Weide- und Mahdnutzung und die damit einhergehende Gehölz-Sukzession gefährdet. In den letzten Jahren hat sich die Anzahl schaf- und ziegenhaltender Betriebe in der Region etwa halbiert. Ziel des sechsjährigen Vorhabens ist es, die Gehölz-Sukzession auf zahlreichen Offenlandbiotopen zurückzudrängen und die Flächen wieder einer geregelten Nutzung zuzuführen, den Rückgang der schafhaltenden Betriebe und der Weidetierzahlen zu stoppen und zur Lösung des Schäfer-Nachwuchsproblems beizutragen. Um die Schaf- und Ziegenhaltung wieder populärer zu machen sind unterschiedliche Maßnahmen vorgesehen. So sollen beispielsweise Produkte der Landschaftspflege wie Lammfleisch besser in Wert gesetzt werden, indem regionale Vermarktungsstrukturen genutzt und weiterentwickelt werden. Darüber hinaus soll die Sicherung der Hofnachfolge unterstützt werden und Gastschäfer – gegebenenfalls aus Osteuropa – angeworben werden.

Weiterhin sollen Artenhilfsmaßnahmen für Feuersalamander, Gelbbauchunke und Geburtshelferkröte umgesetzt werden. So sollen Stillgewässer entschlammt und von beschattenden Gehölzen freigestellt sowie neue Laichgewässer angelegt werden. Für den Feuersalamander sollen auch Schutzmaßnahmen im Siedlungsraum entwickelt und erprobt werden, wie der Rückbau von Bordsteinkanten und der Umbau von Sedimentbecken.

Lichte Wälder und Wildnis

Neben dem Ziel, artenreiche Offenlandökosysteme zu entwickeln und deren Pflege zu optimieren, ist es ein weiteres Anliegen des Projektes, lichte Waldökosysteme und Wald-Offenland-Übergänge zu erhalten oder neu zu schaffen. Beispielhaft soll ein ehemaliger Schneitelbuchenwald durch Pflegemaßnahmen und den Einsatz von Rindern wieder zu einem solchen entwickelt werden. Außerdem soll eine Naturerbe-Fläche durch Prozessschutz in einen „Urwald“ überführt werden. Die Maßnahmen werden durch Öffentlichkeitsarbeit begleitet und sollen die Bevölkerung für unterschiedliche Ansätze im Naturschutz sensibilisieren.

Langfristige Sicherung der Gipskarstlebensräume und nachhaltige Entwicklung der Region

Die Gipskarstlandschaft im Südharz ist seit Jahrzehnten Ziel bergbaulicher Aktivitäten. Zur Sicherung und Entwicklung der weltweit einmaligen Gipskarstlebensräume wurden und werden zahlreiche Naturschutzgebiete ausgewiesen. Daneben wird zum Zweck einer nachhaltigen Entwicklung und Stärkung dieser Region die Ausweisung eines länderübergreifenden Biosphärenreservates angestrebt. In Thüringen  findet dazu ein   moderierter Diskussionsprozess mit den EinwohnerInnen der Region und allen betroffenen Interessengruppen statt, der voraussichtlich Ende 2018 mit einer Empfehlung der Region an die Landesregierung abgeschlossen wird. Das  Hotspot-Projekt mit seinen zahlreichen Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildung, wie z.B. dem Bau eines Beobachtungsturms und dem Einsatz eines Infomobils, soll diesen Prozess unterstützen und wesentlich zur Akzeptanzverbesserung für die Erhaltung der Landschaft, auch im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung der Region, beitragen.

Die über das Projekt zu etablierenden Partnerschaften zwischen den verschiedenen Interessengruppen sollen den Prozess zum Schutz, zur nachhaltigen Nutzung und touristischen Inwertsetzung langfristig begleiten und weiterführen.

Projekt-Steckbrief

Förderschwerpunkt: Hotspots der biologischen Vielfalt

Bundesland: Thüringen

Laufzeit: 01.01.2018 - 31.12.2023

Gesamt-Finanzvolumen: ca. 4,5 Mio. €

Projektträger: Landschaftspflegeverband Südharz / Kyffhäuser e.V. (LPV)

Fördergeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) / Bundesamt für Naturschutz (BfN), Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz (TMUEN), Stiftung Naturschutz Thüringen

Webseite: im Aufbau

Ansprechpartner:

Astrid Koschorreck
Uthleber Straße 24
99734 Nordhausen

Telefon: 03631-4994485
E-Mail: lpv.suedharz.kyffhaeuser@gmail.com