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Quellen und Bachoberläufe der Mittelgebirgsregionen - Ehrenamtliche als Botschafter für einen Gewässerschutz von Anfang an


Quelle bei Diemerstein/Pfalz. Foto: BUND
Quelle bei Diemerstein/Pfalz. Foto: BUND
Feuersalamander. Foto: Jutta Schreiner
Feuersalamander. Foto: Jutta Schreiner
Gewässerbotschafter. Foto: Alexandra Stevens
Gewässerbotschafter. Foto: Alexandra Stevens

Quellen und Oberläufe von Mittelgebirgsbächen gelten als „Schatzkästen der Biodiversität“. Fast ein Drittel der Arten, die hier leben, sind spezialisiert auf diese Lebensräume. Es sind zugleich besonders störungsempfindliche Biotope, viele sind in ihrer natürlichen Funktion beeinträchtigt oder geschädigt. In der Öffentlichkeit ist dies wenig bekannt.

Das soll sich im Rahmen dieses Projekts des BUND Rheinland-Pfalz ändern: Ausgewählte Quellbereiche und Oberläufe rheinland-pfälzischer Mittelgebirgsbäche sollen künftig mit Hilfe ehrenamtlicher Gewässerbotschafter ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt, durch vielfältige Maßnahmen verbessert, wo nötig kartiert und langfristig gesichert werden. 

Hierzu soll eine bereits bestehende erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen ehrenamtlichen Naturschützern und einer wissenschaftlichen Begleitung weiter entwickelt werden. Die freiwilligen Helfer werden in Fortbildungen als Gewässerbotschafter und Multiplikatoren qualifiziert und so befähigt, sich fachlich sinnvoll für die Erhaltung der biologischen Vielfalt einzusetzen. Mit der Umsetzung modellhafter Maßnahmen verfolgt das Projekt einen handlungsorientierten Bildungsansatz. Umweltpädagogische Angebote und eine breite Öffentlichkeitsarbeit bereiten das Projektthema für die Öffentlichkeit auf.

Als Sympathieträger dient der Feuersalamander (Salamandra salamandra). Weitere Arten, die von den Maßnahmen dieses Projekts besonders profitieren sollen, sind das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) und Dunkers Quellschnecke (Bythinella dunkeri).

Alle fachlichen Arbeiten der Identifikation, Beschreibung und Maßnahmenbeurteilung der ausgewählten Projektgebiete werden durch eine wissenschaftliche Begleitung auf hohem Niveau gewährleistet. Fachberater betreuen die ehrenamtlichen Helfer vor Ort. Betrachtet wird der gesamte Biotopkomplex inklusive der Bachaue. 

Die Projektgebiete sollen die für Mittelgebirgslagen des Landes typischen Gesteine und Nutzungsstrukturen repräsentieren. Zudem sollen sie ein gutes Entwicklungspotenzial für die betrachteten Arten aufweisen und Möglichkeiten zur Renaturierung bieten. Weitere Auswahlkriterien sind die Bedeutung der Gewässer für die regionale Identität, das Interesse der politisch verantwortlichen Behörden an einer Zusammenarbeit und auch die räumliche Nähe zu den Wohnorten der Gewässerbotschafter. Ausgewählt werden repräsentative Gewässersysteme für die Naturräume. Die Gewässer liegen innerhalb der Flussgebietseinheit „Rhein“ und gehören dort zu den Bearbeitungsgebieten Oberrhein, Mittelrhein und Mosel/Saar.

Ziele:

• Gewinnung, Schulung und Betreuung von ehrenamtlichen Gewässerbotschaftern (Multiplikatoren)

• Erfassung und Bewertung geschädigter naturnaher Quellen. Wo nötig erfolgt eine Kartierung mit Hilfe des Programms QABS (Quellen-Aufnahme und Bewertung) des Landes Rheinland-Pfalz und Aufnahme in den Quellenatlas RLP. 

• Entwicklung von Konzepten für Verbesserungs- und Renaturierungsmaßnahmen an geschädigten Bachoberläufen und in Quellregionen sowie die anschließende Umsetzung beispielhafter Maßnahmen mit den Gewässerbotschaftern. 

• Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Bedeutung, Schönheit und Gefährdung der heimischen, oft unscheinbaren Quellbiotope, des Quellumfeldes und der Bachoberläufe. 

• Steigerung des Problembewusstseins und der Identifikation mit – oft auch kulturhistorisch bedeutsamen – Quellen der Heimatregion. Vermittlung von Kenntnissen über die besondere Artenvielfalt dieser einmaligen und wertvollen Biotopesowie das Aufzeigen von Handlungsoptionen. 

• Durchführung von Wassererlebnistagen und Lehrerfortbildungen, um größeren Personengruppen, Kindern und Familien einen Zugang zum Lebensraum Gewässer zu eröffnen. 

Das Projekt wird vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten Rheinland-Pfalz, Abteilung Wasserwirtschaft fachlich und finanziell unterstützt. Alle Maßnahmen erfolgen in enger Abstimmung und Zusammenarbeit mit den regionalen und lokalen Behörden. 

Das Gesamtkonzept ist auf andere Regionen und Bildungsträger übertragbar und soll bundesweit breit, auch auf Fachtagungen, kommuniziert werden. Die Maßnahmenkonzepte und deren Umsetzung (mit Erfolgsbewertung) sollen eine Vorreiterfunktion für andere geschädigte Quellbiotope haben. Alle Kartierungsergebnisse fließen in das Quellerfassungssystem QABS (Quellen-Aufnahme und Bewertung) des Landes Rheinland-Pfalz ein. Das Projekt leistet damit nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Schutz empfindlicher Gewässersysteme. Es stärkt auch das gesellschaftliche Bewusstsein für den Wert der biologischen Vielfalt in besonderer Weise. 

Projekt-Steckbrief

Förderschwerpunkt: Weitere Maßnahmen

Bundesland: Rheinland-Pfalz

Laufzeit: 01.03.2013 bis 28.02.2019

Gesamt-Finanzvolumen: 410.000 Euro

Projektträger: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Rheinland-Pfalz e.V.

Fördergeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) / Bundesamt für Naturschutz (BfN), Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten des Landes Rheinland-Pfalz

Webseite:  http://wildbach.bund-rlp.de

Ansprechpartner:

Dr. Siglinde Gramoll

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
Landesverband Rheinland-Pfalz e.V.
Projektbüro Wasserläufer
Trippstadter Str. 25
67663 Kaiserslautern

Tel. 0631 310 5863
 siglinde.gramoll@bund-rlp.de

 

Letzte Änderung: 24.05.2016

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