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Arnika – Revitalisierung und Wiedernutzung als Heilpflanze im Bayerischen Vogtland und im nördlichen Fichtelgebirge


Blühende Arnikawiese. Foto: Deborah Feiler, Taurus Grafikdesign
Blühende Arnikawiese. Foto: Deborah Feiler
Vorbereitung der Flächen für die Aussaat. Foto: Regina Saller, LPV Hof
Vorbereitung der Flächen für die Aussaat. Foto: Regina Saller
Wachtelweizen-Scheckenfalter auf Arnikablüte. Foto: Manfred Scheidler, Reg. v. Ofr.
Wachtelweizen-Scheckenfalter auf Arnikablüte. Foto: Manfred Scheidler

Die Echte Arnika (Arnica montana) gehört zu den traditionellen Heilpflanzen und den in der Nationalen Biodiversitätsstrategie ausgewiesenen Verantwortungsarten Deutschlands. Sie wächst vor allem auf Bergwiesen, Borstgras- und Torfbinsenrasen. Durch Lebensraumverlust, intensive Nutzung und illegale Wildsammlung ist der Bestand jedoch geschrumpft. Ohne gezielte Maßnahmen droht sie mittelfristig auszusterben.

Schutz und nachhaltige Nutzung

Das Arnikaprojekt des Landschaftspflegeverbands Stadt und Landkreis Hof e. V. verbindet den Schutz der Heilpflanze, ihrer Lebensräume und der dazugehörigen Kulturlandschaft mit nachhaltiger Nutzung sowie regionaler Vermarktung und Entwicklung. Der starke Rückgang der regionalen Bestände wird mittels gezielter Vermehrung, Aussaat und Wiederansiedlung gestoppt; die verbliebenen Populationen werden revitalisiert und vergrößert. Die Projektmaßnahmen zielen auf die stärkere mechanische Beanspruchung der Wuchsorte, Beseitigung störendender Filz- und Moosauflagen und Schaffung von Offenboden als Keimplatz. Dabei werden neuartige Methoden – wie der Einsatz von Striegelgeräten – erprobt und Brachen als Standorte der Arnika wiederhergestellt. Um weitere Ziele der Nationalen Strategie zu unterstützen, werden die Ökosystemleistungen der Arnika - die Bereitstellung von Wirkstoffen für Arzneimittel - aufgegriffen und für die Regionalentwicklung genutzt. Dabei steht die Bedeutung der Arnika und ihrer Naturräume für Gesundheit, Erholung und Kultur im Mittelpunkt. Hier liegen Chancen, um Naherholung, naturnahen Tourismus, regionale Wertschöpfung und kulturelle Leistungen sowie das Wissen um die Nutzung der Arnika als Heilpflanze zu fördern.

Bestehende stabile und reproduktionsfähige Arnikavorkommen im Projektgebiet bilden das Ausgangsmaterial für die Ausbreitung und Vermehrung. Durch frühere Kartierungen sind vorhandene und ehemalige Wuchsorte bekannt, an denen die Maßnahmen gezielt ansetzen können. Auf der Basis dieser Bestände soll die Gesamtpopulation in der Region langfristig deutlich vergrößert und dauerhaft erhalten werden. Soweit möglich werden Verbreitungsbarrieren aufgebrochen und die Verinselung der Teilpopulationen aufgelöst.

Die Maßnahmen des Projektes umfassen Lebensraumkomplexe wie magere Wiesen, heideartige Saumstrukturen, bodensaure Magerrasen, Torfbinsenrasen und Moore. So wirkt sich das Projekt stabilisierend auf die Vielfalt der Lebensräume im Projektgebiet und damit auch auf andere Arten aus. Die nachhaltige regionale Nutzung der Arnika als Heilpflanze durch den Kooperationspartner „Naturhof Faßmannsreuther Erde e. V.“ und die Vermarktung regionaler Arnika-Produkte sollen dazu beitragen, die relevanten gesellschaftlichen Gruppen für die Bedeutung biologischer Vielfalt zu sensibilisieren und ihre Bekanntheit zu steigern. Ein Handbuch zu den Erfahrungen soll als Grundlage für weitere Projekte in den benachbarten Mittelgebirgsräumen dienen. Erholungs- und Tourismusangebote rund um die Arnika, z. B. thematische Rad- und Wanderrouten sowie  Info-, Genuss- und Erlebnisstationen, stärken die regionale Identität als „Arnika-Region“ und unterstützen regionale Wirtschaftskreisläufe.

Projektgebiet

Das Projektgebiet (ca. 250 km²) im Bayerischen Vogtland und dem nördlichen Fichtelgebirge gehört zu den für die Arnika typischen Mittelgebirgs-Kulturlandschaften. Es grenzt an das FFH -Gebiet "Grünes Band" und befindet sich somit in einem großräumigen Biotopverbund. Weiter