Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Agrobiodiversitätsstrategie des BMELV

„Agrobiodiversität erhalten, Potenziale der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft erschließen und nachhaltig nutzen“ – Die Agrobiodiversitätsstrategie des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMELV)


Klatschmohn. Foto: parovysh - Fotolia.com
Klatschmohn. Foto: parovysh - Fotolia.com

Im November 2007 hat das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) eine eigene Sektorstrategie zur Erhaltung der biologischen Vielfalt und deren nachhaltiger Nutzung vorgelegt. Sie steht unter dem Motto „schützen und nützen“ und trägt zur Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt bei, insbesondere im Hinblick auf die darin geforderte integrative Strategie zur Erhöhung der Agrobiodiversität.

Die Strategie ist Teil eines übergreifenden Nachhaltigkeitskonzepts des BMELV und wurde unter Beteiligung von Verbänden, Ländern, Beiräten u. a. sowie unter Einbeziehung der jeweiligen Fachprogramme entwickelt. Danach soll die Land-, Forst-, Fischerei- und Ernährungswirtschaft künftig einen größeren Beitrag zur Erhaltung der Kulturlandschaft und der biologischen Vielfalt mit ihren natürlichen Ressourcen leisten. Das BMELV setzt sich daher für verbesserte Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt und der landschaftlichen Strukturvielfalt im Agrarraum und im Wald ein.

Zentrale Ziele der Strategie sind:

  1. Die langfristige Erhaltung und breitere Nutzung der genetischen Ressourcen der Land-, Forst-, Fischerei- und Ernährungswirtschaft
  2. Eine nachhaltige Nutzung der Agrobiodiversität bei gleichzeitiger Erhaltung natürlicher Ökosysteme und bedrohter Arten
  3. Eine bessere internationale Zusammenarbeit und ein weltweit abgestimmtes Management globaler Ressourcen

Neben allgemeinen und übergreifenden Zielen und Maßnahmen umfasst die Strategie spezielle Ziele und Maßnahmen für die Landwirtschaft, unterschieden nach pflanzlicher und tierischer Erzeugung sowie für Forstwirtschaft, Jagd und Fischerei. Ein eigenes Kapitel widmet sich den Mikroorganismen und anderen Kleinlebenwesen.

Prioritäre Maßnahmen und Leuchtturmprojekte:

  • die Entwicklung neuer und Verbesserung bestehender Förderinstrumente zur Weiterentwicklung agrarischer Nutzungssysteme im Einklang mit Natur und Landschaft
  • die Durchführung einer Kampagne zum Thema Vielfalt als Teil einer integrierten Kommunikationsstrategie zur Agrobiodiversität
  • die Erschließung alternativer Einkommensquellen in der Forstwirtschaft
  • den Aufbau eines Netzwerkes Agrobiodiversität

Die Maßnahmen beziehen sich meist auf einen Zeitraum von 5-10 Jahren.

Was bedeutet "Agrobiodiversität"?

Agrobiodiversität umfasst den Teil der biologischen Vielfalt, der von uns Menschen land-, forst- und fischereiwirtschaftlich genutzt wird, für unsere Ernährung, aber auch für Rohstoffe bspw. in der Bekleidungs-, Papier- und Baustoffindustrie. Dazu gehören alle Zuchtformen von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen einschließlich ihrer Wildarten, die genetische Vielfalt innerhalb dieser Arten und die entsprechend genutzten Ökosysteme.

Zwischen den nicht unmittelbar genutzten und den bewirtschafteten Teilen von Ökosystemen bestehen enge Wechselwirkungen. So ist eine erfolgreiche landwirtschaftliche Nutzung auf die natürlichen Leistungen intakter Ökosysteme angewiesen wie z. B. die Bestäubung durch Insekten, die Regulierung des Wasserhaushalts oder die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit durch Mikroorganismen.

Land-, forst- und fischereiwirtschaftliche Nutzungsformen haben unsere heutige Kulturlandschaft in vielfältiger Weise geprägt und damit Lebensräume für eine Vielzahl von Arten geschaffen, die an bestimmte Bedingungen, bspw. die Offenhaltung der Landschaft gebunden sind. Die fortschreitende Intensivierung der Nutzung und der Wegfall traditioneller extensiver Nutzungsformen tragen heute wesentlich dazu bei, dass die biologische Vielfalt in Deutschland und weltweit verarmt. So gehören heute rund 70 Prozent der bedrohten Arten zur Ackerbegleitflora und -fauna.

Aber auch innerhalb der gezüchteten Arten, Sorten und Rassen ist seit Mitte des letzten Jahrhunderts weltweit eine erhebliche Zunahme des Verlustes biologischer Vielfalt zu beobachten. So werden heute über 50 Prozent der für die menschliche Ernährung weltweit benötigten Nahrungsenergie aus lediglich drei Pflanzenarten, nämlich Mais, Reis und Weizen, erzeugt. Und nach der „World Watch List“, einer Bestandsaufnahme der Welternährungsorganisation FAO und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) aus dem Jahre 2000, sind mehr als die Hälfte (55,7 Prozent) der heute noch existierenden 5.639 Rassen weltweit vom Aussterben bedroht. Sie werden von einigen wenigen Hochleistungsarten und -rassen verdrängt, die im großen Maßstab weltweit genutzt werden.