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Insektenvielfalt verbessert Bestäubung von Nutzpflanzen

Die Bestäubung von Blütenpflanzen durch Insekten ist ein vitale Ökosystemleistung; ein großer Anteil der menschlichen Ernährung hängt direkt oder indirekt von dieser Leistung ab. Wissenschaftler haben in einer experimentellen Studie nachgewiesen, dass insbesondere die Vielfalt der Insekten, die an einem Ort zur Bestäubung beitragen, einen signifikanten Einfluss auf den Ertrag an Früchten und Samen hat. 

Um das herauszufinden, machten Wissenschaftler einen Versuch mit Rettichpflanzen. Rettichpflanzen sind abhängig von der Bestäubung durch Insekten für die Reproduktion. Die Forscher separierten jeweils neun Pflanzen von annähernd gleichem Alter und gleicher Größe in einem geschlossenen Behälter und ließen sie jeweils von unterschiedlich zusammengesetzten Insektengruppen bestäuben: immer 18 Insekten, über vier Perioden, jeweils für einen Tag.

Die Gruppen bestanden entweder aus Insekten einer einzelnen Art, drei Arten einer einzelnen funktionellen Gruppe (Insekten, die ähnliche ökologischen Charakteristika haben), drei funktionellen Gruppen mit jeweils einer Art pro Gruppe und drei funktionellen Gruppen mit jeweils drei Arten pro Gruppe (also insgesamt neun Arten). Die funktionelle Gruppen waren „Soziale Bienen“, „Solitärbienen“ und „Schwebefliegen“.

Die Ergebnisse zeigten, dass die Pflanzen, die von Insekten aus drei funktionellen Gruppen bestäubt wurden, im Durchschnitt mehr Früchte pro Blüte  (0,78 gegenüber 0,61) und mehr Samen pro Frucht (3,48 gegenüber 2,91) produzierten als Pflanzen, die nur von einer Gruppe bestäubt wurden.

Die Wissenschaftler vermuten, dass dies durch Komplemetär-Wirkungen zustande kommt. So fanden sie heraus, dass soziale Bienen zwar viermal öfter Blüten besuchten als Solitärbienen und Schwebefliegen, diese jedoch die Blüten zu anderen Tageszeiten anflogen; gemischte Gruppen tendierten außerdem dazu, Blüten in verschiedenen Höhen der Pflanze zu aufzusuchen, was zu einer besseren Gesamt-Bestäubungsleistung führte. Die größte Einzelleistung erbrachte übrigens die Ackerhummel Bombus pascuorum aus der Gruppe Soziale Bienen.

Die Studie zeigt nach Auffassung der Wissenschaftler, dass nicht die Populationsgröße einer einzelnen Bestäuberart allein ausschlaggebend für die Qualität der Ökosystemdienstleistung "Bestäubung" ist, sondern die Vielfalt der Bestäubergemeinschaft. Es komme daher darauf an, die Vielfalt der Bestäuberfamilie in ihrer Gesamtheit zu pflegen und zu erhalten.

Quelle: Europäische Kommission, Artikeldienst "Science for Environment Policy", 17. Januar 2013

Link zur Studie: Albrecht, M., Schmid, B., Hautier, Y. et al. (2012) Diverse pollinator communities enhance plant reproductive success. Proceedings of the Royal Society B. 279: 4845- 4852. DOI:10.1098/rspb.2012.1 621

Letzte Änderung: 21.01.2013

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