Bundesamt für Naturschutz

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Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen in Deutschland erschienen

Das Bundesamt für Naturschutz hat einen "Verbreitungsatlas der Farn-und Blütenpflanzen Deutschlands" veröffentlicht. Der neue Atlas zeigt die Vorkommen der etwa 3900 in Deutschland einheimischen und wildwachsenden Farn- und Blütenpflanzen. Aber auch Neueinwanderer und "Gartenflüchtlinge" wie Ambrosie oder Riesen-Bärenklau sind enthalten. Mit dem Verbreitungsatlas liegt erstmals ein umfangreiches Inventar der Pflanzenverbreitung in Deutschland vor.

Die über 3.000 Übersichtskarten basieren auf einer Datenbank mit fast 30 Millionen Fundmeldungen, erstellt durch die Fachorganisation "Netzwerk Phytodiversität Deutschland e. V. ". Tausende meist ehrenamtliche Pflanzenexperten haben die Daten in jahrelanger (Kartierungs-)Arbeit in der freien Natur und in Siedlungsräumen zusammengetragen.

"Ohne den ehrenamtlichen Einsatz der vielen Pflanzenkennerinnen und -kenner hätte dieser immense Fundus nicht zusammen getragen und daraus dieses für den Naturschutz unschätzbar wertvolle Inventar nicht erstellt werden können", würdigte die Präsidentin des BfN Prof. Beate Jessel die ehrenamtliche Arbeit.

Der Rückgang und die Zunahme bestimmter Pflanzenarten belegen die ständigen Veränderungen unserer Flora. So ist das Flammen-Adonisröschen in den letzten Jahrzehnten vielerorts verschwunden, weil es - wie viele andere Ackerwildkräuter auch - durch die intensivere landwirtschaftliche Nutzung verdrängt wird. Eine Art, die stark zugenommen hat, ist hingegen das Dänische Löffelkraut. Ursprünglich kam es nur auf salzigen Böden der Küsten vor, doch nun konnte es sich in den letzten Jahrzehnten entlang der Autobahnen, begünstigt durch den Streusalzeinsatz, weit in das Binnenland hinein ausbreiten.

Dieser Florenwandel ist ein Indikator für die Veränderung unserer Natur und Landschaft. "So schlagen sich beispielsweise die negativen Folgen der langjährigen Stickstoffemissionen einer intensiven Landwirtschaft in weiten Teilen Nordwestdeutschlands in einer veränderten, an hohe Nährstoffkonzentrationen angepassten Pflanzenwelt nieder. Auch zeigen die Daten die Bedeutung der großen Städte als Einfalltor für gebietsfremde Arten an", erklärte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel. Großstädte und urbane Zentren wie Hamburg, Berlin oder das Ruhrgebiet sind aufgrund ihrer Strukturvielfalt sehr artenreich, haben aber auch einen besonders hohen Anteil von pflanzlichen Neueinwanderern.

Die Daten belegen aber auch, welch hohe Artenvielfalt viele bislang noch nicht so stark im Fokus der Aufmerksamkeit stehende Gebiete Deutschlands noch aufweisen. Dazu gehören bspw. das untere Elbtal, das Thüringer Becken mit seinen Randbereichen und der nördliche Oberrheingraben. Sie unterstreichen die Bedeutung und Notwendigkeit von in der Fläche wirkenden Naturschutzmaßnahmen wie der Einrichtung von großräumigen Schutzgebieten, aber auch einer großflächigen Integration des Naturschutzes in eine naturverträgliche Land- und Forstwirtschaft.

"Der Erhalt der natürlichen und standortspezifischen Vielfalt in der sich weiter wandelnden Landschaft ist als wichtiges Ziel in der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt und im Bundesnaturschutzgesetz formuliert. Und nicht nur für den Naturschutz ist das rechtzeitige Erkennen von Umweltveränderungen eine unverzichtbare Grundlage der Zukunftsplanung. Die kontinuierliche Erfassung unserer Pflanzenwelt als Grundlage dieses Schutzziels bleibt daher eine wichtige Daueraufgabe, dem sich das Bundesamt verpflichtet fühlt", sagte BfN-Präsidentin Jessel.

 

Weitere Informationen unter: www.bfn.de/0405_hintergrundinfo.html

Bezugshinweis:

Titel: Verbreitungsatlas der Farn-und Blütenpflanzen

Herausgeber: Netzwerk Phytodiversität Deutschland (NetPhyD) & Bundesamt für Naturschutz (BfN)
Verlag: Landwirtschaftsverlag
ISBN: 978-3-7843-5319-7
Format: 24 x 30 cm, Hardcover, 912 Seiten.
Preis: 69,95 €

Letzte Änderung: 29.01.2014

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