Bundesamt für Naturschutz

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Aktuelle Daten zur natürlichen Waldentwicklung in Deutschland

In Deutschland gibt es derzeit 213.145 Hektar dauerhaft gesicherten Wald mit natürlicher Waldentwicklung. Dies entspricht einem Anteil von 1,9 Prozent der Waldfläche in Deutschland. Bis zum Jahr 2020 steigt der Anteil voraussichtlich auf 2,3 und danach auf ca. 3 Prozent. Zu diesen Ergebnissen kommt ein aktuelles Forschungs- und Entwicklungsvorhaben des BfN zum Thema "Natürliche Waldentwicklung als Ziel der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt".

In der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) wird bis zum Jahr 2020 eine natürliche Waldentwicklung auf 5 Prozent der gesamten Waldfläche bzw. 10 Prozent der öffentlichen Wälder angestrebt. Insbesondere das 5-Prozent-Ziel wurde in der Vergangenheit sehr kontrovers diskutiert, ohne dass zum Umfang bereits bestehender Flächen mit natürlicher Waldentwicklung bisher bundesweit Zahlen vorlagen.

"Wälder ohne forstliche Nutzung sind fester Bestandteil einer multifunktionalen Forstwirtschaft. Sie leisten einen unverzichtbaren Beitrag zum Schutz und zur Entwicklung der biologischen Vielfalt in unseren Wäldern und erbringen darüber hinaus zahlreiche ökologische Leistungen", sagte Prof. Beate Jessel, die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz.

"Erstmals liegen nun belastbare Bilanzen und Prognosen zum Flächenumfang der derzeitigen NWE5-Kulisse vor", erläuterte der Projektkoordinator Prof. Herrmann Spellmann, Direktor der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt.

"Die vorliegenden Ergebnisse tragen zur Versachlichung der oftmals kontroversen Diskussion um den Nutzungsverzicht im Wald bei und helfen, auf solider Grundlage die weiteren notwendigen Schritte zur Umsetzung des 5-Prozent-Ziels zu planen" ergänzte Beate Jessel.


Hintergrund

Seit Dezember 2010 beschäftigt sich der Forschungsverbund aus Mitarbeitern der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA), der Professuren für Vegetationskunde und für Waldbau der Universität Freiburg sowie des Institutes für Landschaftsökologie und Naturschutz in Bühl (ILN) im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) mit der Frage, auf welchen Flächen Deutschlands aktuell und voraussichtlich bis zum Jahr 2020 eine natürliche Waldentwicklung gewährleistet ist und wie diese Flächen aus naturschutzfachlicher und ökonomischer Sicht zu bewerten sind.

Wälder mit natürlicher Entwicklung umfassen Waldbestände ohne eine direkte Einflussnahme des Menschen. Die dauerhafte Aufgabe der forstlichen Nutzung sowie das Unterlassen von Eingriffen zur Sicherung von Naturschutzzielen auf einer abgegrenzten Fläche von mindestens 0,3 ha Größe stellt hierfür die Grundvoraussetzung dar. Auf diesen Flächen wird das Ziel verfolgt, die dauerhaft ungestörte Entwicklung natürlicher Prozesse zu gewährleisten. Als Wälder mit natürlicher Entwicklung gelten auch diejenigen waldfähigen Standorte, auf denen jegliche menschliche Nutzung dauerhaft eingestellt und eine Waldsukzession absehbar ist.

Basierend auf den Kriterien Dauerhaftigkeit, rechtliche Verbindlichkeit sowie Zweck der Nutzungsaufgabe wurden eine Kernbilanz (mit Stichjahr 2013) sowie zwei Zukunftsbilanzen errechnet. In der Zukunftsbilanz 2020 sind zusätzlich solche Flächen berücksichtigt, die mit hoher Wahrscheinlichkeit bis 2020 der natürlichen Waldentwicklung überlassen werden und dann den Anforderungen der Kernbilanz entsprechen. In der Zukunftsbilanz 2020+ sind die voraussichtlich nach 2020 zusätzlich vorhandenen "Wälder mit natürlicher Entwicklung" aufgeführt.


Weitere Informationen:

www.nw-fva.de/nwe5/


(Quelle: Meldung des Bundesamts für Naturschutz vom 14. Oktober 2013)

Letzte Änderung: 14.10.2013