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Hannover ist "Bundeshauptstadt der Biodiversität"

Für ihr besonderes Engagement zum Erhalt der biologischen Vielfalt erhielt die Stadt Hannover heute den Titel „Bundeshauptstadt der Biodiversität“.

Die Auszeichnung wurde im Rahmen eines Wettbewerbs verliehen, den die Deutsche Umwelthilfe (DUH) anlässlich des Internationalen Jahrs der biologischen Vielfalt im vergangenen Jahr mit finanzieller und inhaltlicher Unterstützung der Stiftung "Lebendige Stadt" ausgeschrieben hatte. Insgesamt hatten sich 124 Städten und Kommunen um den Titel beworben. Bei der Auszeichnungsfeier im Kölner Rathaus nahm Hannovers Umweltdezernent Hans Mönninghoff den mit 25.000 Euro dotierten Preis entgegen.

„Für Hannover hat das Thema Biodiversität große Priorität. Die Stadt kümmert sich intensiv und konsequent um den Schutz der biologischen Vielfalt, indem sie einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt“, so Alexander Otto, Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung „Lebendige Stadt“.

Das Engagement der Städte und Kommunen in puncto Biodiversität wurde anhand eines umfassenden Fragebogens in folgenden Bereichen erfasst: „Natur in der Stadt“, „Umweltbildung und Umweltgerechtigkeit“, „Arten- und Biotopschutz“, „Nachhaltige Nutzung“, „Konzeption“, „Kommunikation und Kooperation“ sowie „Monitoring der lokalen Entwicklung“. Fast 900 eingereichte Projekte in insgesamt sechs Kategorien hat die DUH gemeinsam mit einer projektbegleitenden Arbeitsgruppe bewertet. Die von der Stiftung „Lebendige Stadt“ gespendete Gesamtpreissumme beträgt 50.000 Euro.

Ursula Heinen-Esser, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, dankte im Namen des Schirmherrn des Wettbewerbs, Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen, allen Teilnehmern und betonte, dass der Verlust der biologischen Vielfalt neben dem Klimawandel die größte globale umweltpolitische Herausforderung sei, die ohne die aktive Beteiligung der Kommunen nicht zu bewältigen sei.

13 weitere Kommunen wurden für ihre Anstrengungen zum Erhalt einer vielfältigen Natur ausgezeichnet. Der Gewinner in jeder Kategorie erhält ein Preisgeld von 5.000 Euro. Bei den Großstädten über 100.000 Einwohner belegte Münster vor Frankfurt/M. den zweiten Platz. In der Teilnehmerklasse von 30.000 bis 100.000 Einwohnern gewann Ravensburg (Baden-Württemberg) vor Wernigerode (Sachsen-Anhalt) und Landshut (Bayern). Gewinner in der Teilnehmerklasse von 10.000 bis 30.000 Einwohnern ist Ratekau (Schleswig-Holstein) vor Bad Saulgau (Baden-Württemberg) und Eckernförde (Schleswig-Holstein). Ratekau und Bad Saulgau belegen zudem in der Gesamtwertung unter allen Bewerbern die Plätze zwei und vier. In der Kategorie unter 10.000 Einwohnern konnte die nordrhein-westfälische Kommune Nettersheim ihren Sieg beim Wettbewerb „Bundeshauptstadt im Naturschutz 2007“ wiederholen und gewann vor Bad Grönenbach (Bayern) und Schwebheim (Bayern).

Der Stadt Leipzig wurde der Sonderpreis „Natur in der Stadt“ verliehen. Die Stadt Marburg wurde mit dem Sonderpreis „Umweltbildung und Umweltgerechtigkeit“ ausgezeichnet. Der DUH-Bundesvorsitzende Harald Kächele wies darauf hin, dass „Natur in der Stadt“ ein wesentlicher Faktor für die Lebensqualität einer Kommune sei. „Viele Kommunen haben Stadtviertel, in denen die Natur nicht im unmittelbaren Wohnumfeld zu finden ist, wovon vor allem sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen betroffen sind. Kommunen, die durch ihre städtebaulichen Planungen und Projekte hier gegensteuern, zeigen Weitsicht für eine sozial ausgewogene Stadtentwicklung.“


Auszeichnung Hannover
Die Stadt Hannover hat die Biodiversität zu einem grundlegenden Ziel im derzeitigen Stadtentwicklungsprozess gemacht. Das macht sich in einer Reihe von Aktionsprogrammen bemerkbar, wie sie in diesem Umfang nur selten in einer einzelnen Kommune anzutreffen sind: Fließgewässer werden weitestgehend naturnah gestaltet, wobei die natürliche Eigendynamik konsequent in die Gewässerunterhaltung integriert wird. Der Stadtwald ist FSC-zertifiziert und darüber hinaus mit einem Programm zur Totholz-Förderung ausgestattet, das bereits zu sichtbar erhöhten Totholzvorkommen geführt hat. Auf Grünflächen lösen immer häufiger naturnahe „wilde“ Bereiche die intensiv gepflegten Rasenflächen ab. Mit dem Innenhof- und Wohnumfeld-Programm werden auch die Bürger dabei unterstützt, die Wohngebiete grüner zu machen. Speziell um den Außenbereich kümmern sich mehrere Maßnahmenprogramme, in deren Rahmen Kleingewässer angelegt, Gehölze gepflanzt, Ackerwildkräuter geschützt, Grünlandwirtschaft extensiviert und Ökolandbau gefördert werden.

Um die genetische Vielfalt der Pflanzenwelt zu erhalten, zieht die städtische Baumschule gebietsheimisches Pflanzenmaterial heran. Einen Schritt weiter geht das Pflanzenartenhilfsprogramm: Auf 118 eigens ausgewählten Flächen werden ehemalige Standorte von seltenen Pflanzen erfolgreich reaktiviert. Die laufend durchgeführten Erfolgskontrollen belegen eindrucksvoll die Ausbreitung seltener Farn- und Blütenpflanzen.

Neben all diesen direkten Maßnahmen zur Förderung der biologischen Vielfalt gibt es ein weiteres ausgewiesenes Ziel im Hannoverschen Biodiversitätsprogramm „Mehr Natur in der Stadt“: Die Menschen sollen für die Natur begeistert werden. Mit Kinderwald, Waldstation, Stadtteilbauernhof, Wald-Hochhaus und Schulbiologiezentrum sind außergewöhnliche Einrichtungen im Stadtgebiet verteilt. Sie vermitteln mit durchdachten pädagogischen Konzepten die Bedeutung der Biodiversität und die Notwendigkeit ihres Schutzes.

Hintergrundinformationen zum Wettbewerb
Der Wettbewerb ist Teil eines europäischen Projekts, an dem fünf EU-Länder teilnehmen: Unter der Koordination der DUH wurden und werden 2010 und 2011 auch die Hauptstädte der Biodiversität in Frankreich, Spanien, Ungarn und der Slowakei gesucht. Im Rahmen dieses Projektes werden herausragende Projekte aus allen Ländern auf europäischer Ebene dargestellt.

Zusätzlich zur finanziellen Förderung durch die Stiftung „Lebendige Stadt“ und das europäische Umweltförderprogramm LIFE+ unterstützen folgende Organisationen den Wettbewerb: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Deutscher Naturschutzring (DNR), Deutscher Städtetag, Deutscher Städte- und Gemeindebund (DStGB), GRÜNE LIGA, Kompetenznetzwerk Stadtökologie – CONTUREC, Naturschutzbund Deutschland (NABU).

(Quelle: Gemeinsame Presseerklärung der Deutschen Umweltstiftung und der Stiftung "Lebendige Stadt" vom 6. April 2011)

Weitere Informationen zu dem Wettbewerb erhalten Sie im Internet unter