Bundesamt für Naturschutz

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Biologische Vielfalt und Klimawandel

Am 2. und 3. März 2010 fand in Bonn die zweite BfN-Forschungskonferenz zum Thema „Biologische Vielfalt und Klimawandel“ statt. Teilnehmer/-innen aus Wissenschaft, Naturschutzpraxis, Politik und Öffentlichkeit diskutierten aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse zum Klimawandel und seiner mittelbaren und unmittelbaren Einflüsse auf die biologische Vielfalt in Deutschland.

Die Statuskonferenz sollte einen Überblick über den Stand der aktuellen Forschungen zum Themenkomplex Klimawandel, biologische Vielfalt und Naturschutz geben. Die vielfältigen Wechselbeziehungen zwischen Klimawandel, biologischer Vielfalt und menschlichem Wohlergehen stehen seit vielen Jahren im Mittelpunkt der Forschungsinitiative „Biologische Vielfalt und Klimawandel“. An den fachlich vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) betreuten, 27 laufenden oder kürzlich abgeschlossenen Forschungsprojekten sind insgesamt 46 Hochschulen, wissenschaftliche Einrichtungen und Gutachterbüros beteiligt.

Eine Reihe von Projekten befasst sich mit Grundlagenforschung und Modellrechnungen. Darin werden bereits messbare klimabedingte Veränderungen in Natur und Landschaft erfasst und über Modellrechnungen auf künftige Entwicklungen hochgerechnet.

Erste Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass in Deutschland vor allem die mit der Klimaerwärmung einhergehende Veränderung der Wasserbilanz eine größere Rolle spielt als die steigenden Temperaturen selbst. Entsprechende Modellrechnungen lassen vermuten, dass die Auswirkungen auf Tiere und Pflanzenarten im norddeutschen Tiefland, in den Mittelgebirgen und in den alpinen Lebensräumen besonders stark sein werden. Eine hohe Gefährdung wird beispielsweise für in Deutschland brütende Vogelarten wie Seeadler, Schwarzstorch, Wiesenweihe und Kranich vorhergesagt. Aber auch für viele andere Tier- und Pflanzenarten würden die klimatisch geeigneten Lebensräume in Deutschland kleiner.

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt ist die Entwicklung geeigneter Anpassungs- und Managementstrategien für Naturschutz und Landschaftsplanung. Die Fragestellung lautet hier, wie man den betroffenen Arten helfen kann, den klimatischen Veränderungen standzuhalten bzw. in neue, klimatisch besser geeignete Lebensräume zu gelangen. Erste Forschungsergebnisse schlagen hier eine Anpassung von Pflege- und Entwicklungsplänen und eine Vergrößerung von Schutzgebieten vor. Um die Ausweichmöglichkeiten betroffener Arten zu verbessern, fordert die Wissenschaft bspw. die Errichtung von so genannten „Trittsteinen“ und Wanderkorridoren und eine stärkere Einbeziehung der Biotop-Vernetzung in der Landschaftsplanung.

Andere Forschungsprojekte untersuchen die Synergien und Konflikte, die sich aus den Handlungsfeldern Naturschutz, Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel ergeben können. So ermittelt bspw. ein Projekt anhand ausgewählter Moorgebiete, welche Leistungen geschützte Ökosysteme durch die langfristige Speicherung von Kohlenstoff für die Bekämpfung des Klimawandels erbringen können. Andere Forschungsprojekte beschäftigen sich mit den Auswirkungen einer verstärkten Nutzung von Bioenergie und Wasserkraft, aber auch mit den Folgen des Klimawandels für die Waldbewirtschaftung und den Hochwasserschutz. Letzterer gewinnt angesichts steigender Überflutungsgefahren an Bedeutung.

Das BfN versteht die Forschungen zum Klimawandel und zur biologischen Vielfalt ausdrücklich als eine interdisziplinäre Aufgabe, die neben naturwissenschaftlichen Aspekten auch sozioökonomische und gesellschaftliche Gesichtspunkte mit einbezieht. So untersuchen Forschungsvorhaben anhand von Kosten-Nutzen-Analysen den ökonomischen Wert, den Naturschutzmaßnahmen zu Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel leisten. Damit sollen ökonomische Argumente für ökologische Herangehensweisen bei den Konzeptionen und Entscheidungen zu Anpassungsstrategien geliefert werden.

Auch die Untersuchung der Auswirkungen des Klimawandels auf die ethischen Grundlagen des Naturschutzhandelns und die zugrunde gelegten Wertvorstellungen sind Gegenstand eines vom BfN geförderten Forschungsprojekts. Neben Experten und Expertinnen für Biologie, Ingenieurwissenschaften, Forstwirtschaft, Landschaftsplanung, Rechtswissenschaften und Umweltökonomie, sind daher im Kreis der Wissenschaftler/-innen, die im Auftrag des BfN forschen, auch Geisteswissenschaftler/-innen vertreten.

Alle Beiträge der Konferenz:

www.bfn.de/0103_forschungskonferenz_biodiv.html

Letzte Änderung: 05.03.2010

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