Bundesamt für Naturschutz

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Standardisierte Erfassung von Wildbienen zur Evaluierung des Bestäuberpotenzials in der Agrarlandschaft (BienABest)


Wildbienen übernehmen eine Schlüsselrolle in der Bestäubung. © Pixabay
Gehörnte Mauerbiene © Pixabay
Aschgraue Sandbiene © Pixabay

Bestäuberleistungen nachhaltig sichern

Mehr als die Hälfte der 561 Wildbienenarten stehen in Deutschland bereits auf der Roten Liste. Das Projekt "BienABest" soll helfen, dem Bienensterben Einhalt zu gebieten und die Bestäubungsleistung nachhaltig zu sichern.

Wildbienen übernehmen eine Schlüsselrolle in der Bestäubung. Als Hauptbestäuber einer Vielzahl von Wildkräutern und Kulturpflanzen sind sie unersetzlich und ein wesentlicher Garant für die Lebensmittelproduktion und den Erhalt der Diversität von Wildpflanzen. Um dem beobachteten Rückgang der Populationsdichten und der Biodiversität der Wildbienen zu untersuchen und zu quantifizieren, werden im Projekt "BienABest" standardisierte Wildbienenweiden auf Ackerflächen, in der Nachbarschaft von Naturschutzgebieten oder auf bundesweiten Stichprobenflächen angelegt sowie Nistgelegenheiten für im Boden nistende Bienenarten geschaffen.

Dabei wird besonders darauf geachtet, gebietseigene Wildkräuter und regionaltypische Kulturkräuter zu verwenden, um eine Faunen- und Florenverfälschung sowie die Ansiedlung und Auskreuzung nicht heimischer Arten und Neophyten zu vermeiden. Ziel ist es, die Nahrungs- und Nisthabitate so zu optimieren, dass die Bestände gefährdeter und rückläufiger Wildbienenarten langfristig gesichert werden können. Gleichzeitig können dadurch auch andere blütenbesuchende Insekten sowie deren Räuber gefördert werden, sodass sich dieses Projekt zusätzlich positiv auf die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft auswirkt.

Bestandsschonende Felderfassung für ein kontinuierliches Monitoring

Um qualifizierte Aussagen über die Veränderungen der Wildbienenbestände treffen zu können und zur Überprüfung der wildbienenunterstützenden Maßnahmen werden im Projekt standardisierte Erfassungsmethoden als Basis für ein systematisches Langzeitmonitoring für Wildbienen erarbeitet. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Entwicklung eines Bestimmungsschlüssels, der eine bestandsschonende Felderfassung der Wildbienen ermöglicht. Wildbienen können somit lebend bestimmt und anschließend wieder freigelassen werden. So sollen in Zukunft Aussagen über die Bestandsentwicklung getroffen werden können, ohne durch Entnahme in die Populationen einzugreifen.

Die erfassten Bestandsdaten können zusätzlich genutzt werden, um sie in die Gefährdungsanalyse zur Aktualisierung der Roten Liste der Wildbienen einfließen zu lassen.

Feldbestimmung und Ausbildung

Ein wichtiger Bestandteil des Projekts ist die Ausbildung von Sachverständigen. Taxonomische Erhebungen und Kenntnisse über Vorkommen und Verbreitung von Arten sollen verbessert und gefördert werden. Dabei soll die Taxonomie-Initiative der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt unterstützt werden und zu einer langfristigen Sicherung der taxonomischen Ausbildung des Nachwuchses beitragen. Besonders hervorzuheben ist, dass sich die Ausbildung und Artenkenntnis nicht nur auf Wildbienenarten konzentriert, sondern sich ebenfalls auf Vegetationsbestimmungen und Kenntnis anderer Arten erstreckt. Nur so sind qualitative Aussagen über Populationsentwicklungen von Wildbienen und deren Hintergründe möglich.

Standardisierung und Übertragbarkeit im Naturschutz

Die im Projekt angewendeten Verfahren werden in Form von VDI-Richtlinien standardisiert, um u.a. den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Erfassung und Bestimmung von Wildbienen auszubilden. Es werden vier Richtlinien erarbeitet, in denen die standardisierte Erfassung von Wildbienen auf Basis der Richtlinie VDI 4332 Blatt 1 weiterentwickelt wird. Weiterhin werden die Etablierung von Wildbienenhabitaten in der Agrarlandschaft, ein auf Fotos und Abbildungen basierender Feldbestimmungsschlüssel und Schulungsunterlagen und -konzepte standardisiert. Sie sind somit dauerhaft verfügbar und können deutschlandweit übertragen und auch für ein Monitoring genutzt werden.

Projekt-Steckbrief

Förderschwerpunkt: Ökosystemleistungen

Bundesland: Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt

Laufzeit: Mai 2017 - April 2023

Gesamt-Finanzvolumen: 2,6 Mio.

Koordinierender Projektpartner: VDI e.V., Gesellschaft Technologies of Life Science

Verbundpartner: Universität Ulm, Institute of Evolutionary Ecology and Conservation Genomics

Fördergeber: Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, BASF SE, Bayer AG Crop Science Division

Webseite: im Aufbau

Ansprechpartner:

Dr. Ljuba Woppowa
Verbundkoordinatorin und Projektleiterin VDI e.V. (AP 2-4)
Gesellschaft Technologies of Life Science
VDI-Platz 1
40468 Düsseldorf

Telefon: +49 211 6214 314
E-Mail: woppowa@vdi.de