Bundesamt für Naturschutz

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Potenziale und Praxisprogramm zur Erhöhung der ökologischen Vielfalt in Erwerbsobstanlagen und Streuobstwiesen


Kurzschwänziger Bläuling. Foto: digitalfoto105/fotolia
Kurzschwänziger Bläuling. Foto: digitalfoto105/fotolia
Fahrgassenstreifen. Foto: Jutta Kienzle
Fahrgassenstreifen. Foto: Jutta Kienzle
Wildbienenhotel. Foto: Alfons Krismann
Wildbienenhotel. Foto: Alfons Krismann

Auf Obstbauflächen finden sich verschiedene Lebensräume auf engem Raum, darunter Säume, Wiesen, offene Bereiche, Bäume und Sträucher. Diese Strukturvielfalt bedingt eine hohe Artenvielfalt. Durch die zunehmende Verarmung der Agrarlandschaft, fehlende Nahrung für blütenbesuchende Insekten und den Rückgang von „Allerweltsarten“ wie dem Feldsperling gerät die Biodiversität jedoch auch in Obstanlagen mehr und mehr unter Druck.

Im Erwerbsobstbau bestehen jedoch viele Möglichkeiten, die Obstbau-typische Vielfalt zu erhalten bzw. wiederherzustellen: Die Anlagen werden oft zwischen 15 und 25 Jahren genutzt; in dieser Zeit verändert sich ihre Struktur kaum. Gerade in einer jährlich bewirtschafteten, sich verändernden Umgebung können Obstanlagen daher ein wichtiger Rückzugs-, Nahrungs- und Lebensraum sein – auch für spezialisierte Arten.

Im Rahmen dieses Verbundprojektes sollen die Potentiale der Förderung der Biodiversität und der Ökosystemleistungen im Obstbau erhoben und zielführende Maßnahmen in enger Zusammenarbeit mit den Betrieben umgesetzt werden.

Maßgeschneiderte Maßnahmen für drei Teilbereiche

Ziel ist, die Artenvielfalt im Obstbau zu steigern und das Bewusstsein für dieses Agrarökosystem zu fördern. Das Projekt kann dabei auf die Ergebnisse früherer Vorhaben zurückgreifen, die Einzelthemen zu mehr Biodiversität im Obstbau behandelt haben. Es gibt drei Teilbereiche, für die jeweils moderne Managementverfahren entwickelt wurden, um die Biodiversität in den Projektregionen zu steigern: den integrierten Erwerbsobstbau, den ökologischen Erwerbsobstbau sowie Streuobst-Junganlagen. Die Maßnahmen werden zunächst in Pilotbetrieben erprobt und von hier aus im Schneeballprinzip weiterverbreitet. Sie umfassen u. a. die Begrünung der Fahrgasse, das Pflanzen von Kleinsträuchern sowie das Anbringen von Nisthilfen. Erfolgreich erprobte Methoden sollen langfristig sowohl in die Ausbildung angehender Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter als auch in die Anbaurichtlinien von Öko- und integriertem Obstbau einfließen.

Mehr Biodiversität in traditionellen Obstbauregionen Deutschlands

Der Wunsch, sich für die Biodiversität zu engagieren, entstand im Obstbau selbst. Die Obstbäuerinnen und Obstbauern haben die Maßnahmen gemeinsam mit Anbau- und Naturschutzexpertinnen und -experten entwickelt; sie agieren als Botschafter für den Naturschutz. Die Teilprojekte werden in großen Obstbauregionen Deutschlands durchgeführt: Bodenseeraum, Südbaden, Neckarraum, Rheinland-Pfalz, Südhessen und Nordrhein-Westfalen, Niederelbe / Altes Land und Sachsen. Dadurch wird eine hohe Flächenwirkung  gewährleistet. Die Kulturlandschaften sind teilweise stark durch den Obstbau geprägt; sie unterscheiden sich u. a. in den Obstarten, der Bewirtschaftungsart, der Anlagengröße und den natürlichen Voraussetzungen. Der Zustand der biologischen Vielfalt der jeweiligen Region wird anhand folgender Kriterien ermittelt: Artenvielfalt, Nützlings-/ Schädlingssystem, Qualität der Nahrungsmittelproduktion, schonender Einsatz von Produktionsmitteln, Bodenfruchtbarkeit, Wasserhaushalt, Landschaftsbild und Erholungsfunktion.

Projekt-Steckbrief

Förderschwerpunkt: Sichern von Ökosystemleistungen

Bundesland:  bundesweit

Laufzeit:   Juli 2016 – Juni 2022

Gesamt-Finanzvolumen:   4,9 Mio €  

Koordinierender Projektpartner: Universität Hohenheim, Institut für Landschaftsökologie und Vegetationskunde (320a)

Verbundpartner: Universität Bonn, Landesverband Sächsisches Obst, Obstbauversuchsring des Alten Landes e.V., Öko-Obstbau Norddeutschland Versuchs- und Beratungsring e.V., Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee

Fördergeber:  Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) sowie das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg, das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten Rheinland-Pfalz, die Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation der Freien Hansestadt Hamburg, das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes NRW (LANUV) mit Mitteln des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, das Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft

Webseite: im Aufbau

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Martin Dieterich
Universität Hohenheim, Institut für Landschaftsökologie und Vegetationskunde (320a)
August v. Hartmann-Str. 3
70599 Stuttgart
Telefon: +49 7114 5923 530
E-Mail:  martin.dieterich@uni-hohenheim.de

Letzte Änderung: 04.11.2016

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