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Biodiversität und Schalenwildmanagement in Wirtschaftswäldern (BioWild)


Buchenvorbau unter Fichten. Foto: Johannes Enssle
Buchenvorbau unter Fichten. Foto: Johannes Enssle
Rehbock. Foto: Soru Epotok / Fotolia
Rehbock. Foto: Soru Epotok / Fotolia
Wildverbiss Buddenhagen. Foto: Johannes Enssle
Wildverbiss Buddenhagen. Foto: Johannes Enssle

Hohe (Schalen-)Wildbestände beeinträchtigen die natürliche Verjüngung und Artenvielfalt in vielen Waldgebieten in Deutschland. Vor allem Reh- und Rotwild fressen die jungen Triebe und verhindern so, dass der Wald natürlich nachwachsen kann. Besonders betroffen von diesem „Verbiss“ sind Jungpflanzen von Laubbäumen und Tannen, was vielerorts zu einer Entmischung und Verarmung von Mischwäldern führt. Intakte, artenreiche Mischwälder sind aber besonders stabil und anpassungsfähig an sich verändernde Umweltbedingungen wie sie etwa durch den Klimawandel verursacht werden. Um langfristig solch stabile Wälder zu erhalten, ist vielerorts eine Reduzierung der Schalenwildbestände unabdingbar.

Systematische Erprobung in fünf Projektregionen

Welche Strategie dafür am besten geeignet ist, wird nun im Rahmen dieses Verbundprojekts aus Forstpraktikern und Wissenschaftlern erstmals systematisch und repräsentativ ermittelt. In fünf großflächigen Projektregionen, verteilt über das gesamte Bundesgebiet, erforscht das Projekt, wie sich ein verändertes Wildtiermanagement auf die natürliche Verjüngung des Waldes und die biologische Vielfalt der Waldgesellschaften auswirkt. Damit sollen die von Wäldern ausgehenden Ökosystemleistungen dauerhaft gewährleistet und eine Anpassung der Waldökosysteme an den Klimawandel erleichtert bzw. deren Widerstandsfähigkeit gestärkt werden. Zugleich wird ein Verfahren weiterentwickelt und in der Praxis getestet, wie der Zustand der Waldvegetation erfasst und bewertet sowie die ergriffenen Maßnahmen hinsichtlich ihres Erfolgs zur Sicherung der Ökosystemleistungen evaluiert werden können.

Fundierte Grundlagen für die Praxis

Das Projekt sieht unter anderem die Errichtung so genannter Weiserzäune vor: Repräsentative Waldflächen werden eingezäunt und vor Verbiss durch Schalenwild geschützt, so dass sich hier die Jungpflanzen ungestört entwickeln können. Diese Flächen dienen dann als Referenz- und Vergleichsflächen zur Waldentwicklung in den ungezäunten Bereichen und zur Beurteilung der Auswirkungen der eingesetzten Management-Maßnahmen. Mit unterschiedlichen Bejagungsintensitäten und -strategien, Änderungen der Jagdzeiten und Konzepten zur Anpassung des gesamten jagdlichen Managements wollen die Projektbeteiligten eine Jagdstrategie entwickeln und umsetzen, die eine natürliche Verjüngung der Wälder gewährleistet und die Vielfalt typischer Waldpflanzenarten sichert.

Die Projektpartner

Koordiniert wird das Projekt mit einer sechsjährigen Laufzeit von der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW) Deutschland. Verbundpartner sind die Georg-August-Universität Göttingen, die Technische Universität Dresden und die Technische Universität München. Die Verbundpartner verfügen über umfangreiche Erfahrungen und Kompetenzen im Zusammenhang mit dem Konfliktfeld Wald-Wild und waren z. B. maßgeblich an der Erarbeitung eines umfangreichen  Gutachtens zu diesem Thema beteiligt.

Projekt-Steckbrief

Förderschwerpunkt: Ökosystemleistungen

Bundesland: Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Baden-Württemberg, Saarland

Laufzeit: September 2015 - August 2021

Gesamt-Finanzvolumen: 2.471.830 €

Projektträger: Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW) Deutschland e.V.

Fördergeber: Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung

Verbundpartner: Universität Göttingen (Abt. Waldbau und Waldökologie der gem. Zonen), TU Dresden (Professur für Waldschutz), TU München (Fachgebiet für Waldinventur und nachhaltige Nutzung)

Webseite: derzeit im Aufbau

Ansprechpartner:

Stefan Schneider

ANW Deutschland e.V.
Wormbacher Straße 1
57392 Schmallenberg

Tel: 02972 9849379
 waldwild@anw-deutschland.de

Letzte Änderung: 18.01.2016

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