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Der Sympathieträger Kiebitz als Botschafter: Umsetzung eines Artenschutz-Projektes zur Förderung des Kiebitzes in der Agrarlandschaft


Foto: Hans Glader, piclease
Foto: Hans Glader, piclease
Kiebitz Gelege. Foto: Hans Glader, piclease
Kiebitz Gelege. Foto: Hans Glader, piclease
Foto: Erich Thielscher, piclease
Foto: Erich Thielscher, piclease

Die Bestände des Kiebitzes gehen in Deutschland seit vielen Jahren dramatisch zurück. Das hängt vor allem mit strukturellen Veränderungen in der Agrarlandschaft zusammen. Der Bodenbrüter findet immer weniger geeignete Brutplätze. Das sind insbesondere ebene Offenlandflächen wie Äcker mit geringem oder niedrigem Bewuchs, Wiesen und Weiden mit kurzem Gras, Gewässerränder, Feuchtwiesen, Heiden und Moore. Vor allem der intensivierte Anbau von Energiepflanzen führt seit geraumer Zeit zu einem verstärkten Rückgang wertvoller Grünlandflächen. Die Zunahme des Maisanbaus stellt eine weitere Veränderung dar, die es dem Kiebitz schwer macht, geeignete Flächen für seine Brut zu finden. Maisäcker werden zu einer Art ökologischer Falle für die Vogelart. Am Anfang verlockend für die Anlage des Geleges, bieten sie später weder genug Deckung noch ein ausreichendes Futterangebot für die Küken und ihre Eltern.

Der Rückgang der Brutbestände ist demnach ein vornehmlich strukturelles Problem, das mit Veränderungen in der landwirtschaftlichen Nutzung zusammenhängt. Folgerichtig setzt das Kiebitzschutzprojekt des NABU daher vorrangig nicht in bestehenden Schutzgebieten an, sondern auf intensiv bewirtschafteten Acker- und Grünlandflächen. 

Ziel des Projektes ist es, naturschutzfachliche Grundlagen und verschiedene Maßnahmen für einen bundesweit besseren Schutz des Kiebitzes zu erarbeiten. Zentrales Arbeitspaket ist es, Maßnahmen zum Kiebitzschutz auf landwirtschaftlichen Flächen gemeinsam mit Landwirten exemplarisch bundesweit auf repräsentativen Standorten umzusetzen, ihre Wirksamkeit zu erfassen und sie ggf. zu optimieren.

Die Ergebnisse des Projektes werden in einem Handbuch zusammenzutragen. Dieses enthält später einen Katalog von erprobten Schutzmaßnahmen, Handlungsempfehlungen sowie Erfahrungen und Tipps zum effizienten Einsatz von Fördermitteln.

Mit dem Projekt sollen bundesweit Landwirte dazu bewegt werden, dauerhaft einen Teil ihrer Flächen für den Kiebitzschutz bereitzustellen und sogenannte Kiebitzinseln zu etablieren, die der Vogelart langfristig geeignete Brutplätze bieten. Da der Kiebitz sehr standorttreu ist, sollen diese Flächen langfristig erhalten werden. Damit sich dies realisieren lässt, müssen Ausgleichszahlungen für den entgangenen Nutzen der Landwirte über bestehende Förderinstrumente wie den Vertragsnaturschutz oder das ELER-Programm, ermöglicht und die Maßnahmen so günstig wie möglich gestaltet werden. Hierzu werden Empfehlungen erarbeitet wie die Förderkulisse zielgenauer zugeschnitten werden kann, damit die über Agrarumweltmaßnahmen zur Verfügung stehenden Gelder passgenauer eingesetzt werden können. Damit Kiebitzinseln mit möglichst wenig Mitteln angelegt werden können, werden die Maßnahmen auf regionsspezifische Gegebenheiten angepasst.  

Des Weiteren wird unter anderem überprüft, inwieweit die für die nächste Finanzperiode vorgesehenen Gruppenanträge bzw. Kooperationen für Kiebitzschutzmaßnahmen angewendet werden können.

In einem weiteren Arbeitspaket werden Maßnahmen für den Kiebitzschutz in geeigneten Schutzgebieten verstärkt und optimiert. Ausgewählte Schutzgebiete sollen zu Populationsquellen des Kiebitzes werden und die Vermehrung des Bestands in der landwirtschaftlich genutzten Fläche unterstützen. Das Projekt wird zudem von einer Öffentlichkeitskampagne begleitet, die den Kiebitz als Sympathieträger und Botschafter für den Schutz und Erhalt von Grün- und Offenlandflächen in der deutschen Kulturlandschaft herausstellt.

Bei der Umsetzung arbeiten der NABU Bundesverband, der NABU Mecklenburg-Vorpommern und die NABU Naturschutzstation Münsterland eng mit regionalen Experten sowie Landwirten vor Ort zusammen.

Die Ergebnisse des Projektes richten sich an Landesministerien und -behörden (Gestaltung von Vertrags-Naturschutzprogrammen), Fachexperten, Schutzgebietsbetreuerinnen und -betreuer sowie Personen aus der Landwirtschaft (Faltblatt mit konkreten Schutzmaßnahmen).

Projekt-Steckbrief

Förderschwerpunkt: Verantwortungsarten

Bundesland: Deutschlandweit

Laufzeit: 01.04.2014 bis 31.03.2019

Gesamt-Finanzvolumen: 1.435.396 Euro   

Koordinierender Verbundpartner: NABU Bundesverband

ProjektpartnerNABU Landesverband Mecklenburg-Vorpommern und NABU Naturschutzstation Münsterland

Weitere Partner: Thünen-Institut für Ländliche Räume (Thünen-LR), Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV), ARGE Donaumoos, Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein   und BioConsult OS 

Fördergeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB)/ Bundesamt für Naturschutz (BfN), Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig-Holstein 

Webseite:  www.kiebitzschutz.de

Ansprechpartner:

Dominic Cimiotti

Michael-Otto-Institut im NABU
Goosstroot 1
24861 Bergenhusen

Tel: 04885-570
 Dominic.Cimiotti@NABU.de

 

Letzte Änderung: 24.05.2016

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