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Lebensader Oberrhein - Naturvielfalt von nass bis trocken


Flussbegleitender Auenwald. Foto: NABU-Naturschutzzentrum Rheinauen
Flussbegleitender Auenwald. Foto: NABU-Naturschutzzentrum Rheinauen
Sumpfschildkröte. Foto: Daniela Führer u. Arndt Hadamek
Sumpfschildkröte. Foto: Daniela Führer u. Arndt Hadamek
Kleingewässer in der Aue. Foto: NABU-Naturschutzentrum Rheinauen Bardo Petry
Kleingewässer in der Aue. Foto: NABU-Naturschutzentrum Rheinauen Bardo Petry

Der Hotspot 10 „Nördliche Oberrheinebene mit Hardtplatten“ erstreckt sich über die drei Bundesländer Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Hessen. Maßgebliches Landschaftselement für das Gebiet ist der Rhein mit seinen Nebengewässern und Auen. Gleichzeitig ist dieser größte deutsche Fluss mit seinen Deichen eine wichtige und überregional bedeutsame Vernetzungsachse für Tiere und Pflanzen. Ein wesentliches Charakteristikum des Gebietes ist darüber hinaus die große Bandbreite von nassen bis trockenen Lebensräumen. Im Bereich des Hotspots und seinem näheren Umkreis leben mehrere Millionen Menschen, was zu einem hohen Nutzungs-, Freizeit- und Siedlungsdruck in der Region führt.

Projektpartner sind die beiden NABU-Landesverbände Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg, die im Verlauf des sechsjährigen Vorhabens eine Erhöhung der biologischen Vielfalt im Bereich des Hotspots erreichen wollen. Dazu sollen u. a. naturschutzfachliche Maßnahmen in besonders bemerkenswerten Lebensraumtypen umgesetzt und über eine intensive Öffentlichkeitsarbeit die Identifikation der zahlreichen hier lebenden Menschen mit dem Hotspot gesteigert werden.

Die Projektmaßnahmen im hessischen Teil des Hotspots werden vom NABU-Rheinland-Pfalz mitbetreut.

In den Auebereichen des Hotspots gibt es nur noch wenige naturnahe Waldbereiche. Insbesondere alte Waldbestände sind selten. Noch bestehende Auwaldflächen will man, u. a. über den Kauf von Altbäumen, sichern  während z. B. geeignete Brachflächen durch  Zurückdrängen von Neophyten und Pflanzmaßnahmen wieder in Richtung Auwald entwickelt werden.

Durch den Klimawandel werden Trockenperioden zukünftig häufiger sein und länger andauern, so dass Kleingewässer aller Voraussicht nach häufiger trocken fallen. Um der deshalb zu erwartenden Beeinträchtigung der Habitatqualität entgegen zu wirken und eine stärkere Vernetzung von Amphibienpopulationen in der Aue zu erreichen, will man an zahlreichen Stellen in der Region Kleingewässer wiederherstellen oder neu anlegen.  Durch die größere Dichte der Kleingewässer in der Landschaft wird deren Vernetzung im Sinne von Trittsteinbiotopen deutlich verbessert.

Eine deutliche Aufwertung von aquatischen Ökosystemen ist auch durch den geplanten Anschluss von Altarmen und Flutmulden an bestehende Gewässersysteme zu erwarten.

Auch für trockenes und feuchtes Grünland wie Stromtalwiesen, Trockenrasen und Dünenstandorte sieht man im Projekt eine Aufwertung vorhandener Flächen aber auch die Neuanlage vor. Letztere will man u. a. mit der Übertragung von Mahdgut von geeigneten Spenderflächen erreichen.

Insbesondere für typische und wertgebende Arten und Lebensräume (z. B. Stromtalwiesen oder Auenamphibien) sind Bestandserfassungen vorgesehen, um bestehende Datenlücken zu schließen. Die Ergebnisse sollen veröffentlicht und in vorhandene Arterfassungssysteme der Länder eingespeist werden, so dass sie als Grundlage für weitergehende Maßnahmen dienen können.

Aufbauend auf Bestandserhebungen und der Identifizierung geeigneter Lebensräume sind konkrete Wiederansiedlungsmaßnahmen für die Sumpfschildkröte und den Schlammpeitzger geplant. Seltene Pflanzenarten z. B. der Stromtalwiesen und Sandtrockenrasen, werden, unabhängig von existierenden Beständen, in Erhaltungskulturen gesichert, so dass zusätzliche Möglichkeiten der Wiederausbreitung bestehen.

Aufgrund der Lage des Hotspots in einer Region mit mehreren Millionen Einwohnern kommt es einerseits zu negativen Effekten wie einer  großen Flächeninanspruchnahme, starken Zerschneidungseffekten und einem hohen Freizeitdruck. Andererseits bietet sich dadurch die Chance eine  große Zahl von Menschen zu erreichen und für die Ziele des Projektes zu gewinnen. Maßnahmen zur Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation werden daher im Rahmen des Projektes eine besondere Bedeutung beigemessen. Über Besucherlenkungsmaßnahmen wie Beobachtungstürme, Naturerlebnis-Biotope oder Infotafeln sollen die negativen Folgen der zunehmenden Naherholungsaktivitäten abgemildert werden. Eine interaktive Erlebnisausstellung über die Lebensräume und Arten des Gebietes soll einer möglichst breiten Bevölkerung die Besonderheiten im Hotspot nahebringen und sie für den Schutz der biologischen Vielfalt begeistern.

Projekt-Steckbrief

Förderschwerpunkt: Hotspots

Bundesland: Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Hessen

Laufzeit: 01.10.2013–30.09.2019

Gesamt-Finanzvolumen: ca. 5 Millionen Euro

Projektträger: NABU Landesverband Rheinland-Pfalz

Projektpartner: NABU Landesverband Baden-Württemberg

Fördergeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB)/ Bundesamt für Naturschutz (BfN), Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten Rheinland-Pfalz, Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg, Hessisches Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz

Webseite:  www.lebensader-oberrhein.de

 Kurzfilm zum Projekt

Ansprechpartner:

Robert Egeling
NABU-Naturschutzzentrum Rheinauen
An den Rheinwiesen 5
55411 Bingen

Tel: 06721-14367

E-Mail:  info@Lebensader-Oberrhein.de 

Letzte Änderung: 03.02.2017

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