Bundesamt für Naturschutz

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Dialogforum Naturnutzung IV

Dialogforum: Standortfaktor Naturkapital und Lebensqualität

Im Rahmen des Zukunftsforums ländliche Entwicklung fand im Januar 2012 in Berlin das Dialogfroum "Standortfaktor Naturkapital und Lebensqualität" statt. Rund 75 Teilnehmende aus Verwaltung und Verbänden sowie Wissenschaft und Praxis erörterten die Bedeutung intakter Natur und Landschaft bei der Bewältigung des demographischen Wandels in ländlichen Regionen.

In der politischen Einordnung des Themas verdeutlichte das Bundesumweltministerium, dass sich Naturkapital und Umweltqualität positiv auf die Lebens- und Wohnqualität der Bevölkerung auswirken und auch bei Standortentscheidungen von Unternehmen häufig eine Rolle spielen. Darüber hinaus bildet das Naturkapital in ländlichen Gebieten in vielen Fällen einen Motor für regionale Wertschöpfung und Beschäftigung und wirke Abwanderungstendenzen entgegen.

Auch nach Einschätzung des Leiters des Forschungszentrums für Regionalwissenschaften, Universität St. Gallen, Dr. Roland Scherer, hat das Naturkapital in ländlichen Regionen einen wichtigen Einflussfaktor bei Standortentscheidungsprozessen von Unternehmen und Privatpersonen. Natur und Landschaft stellen allerdings keinen treibenden Entscheidungsfaktor dar. Bei gleichwertigen Standorten gibt dieser "weiche" Faktor aber oft als "Zünglein an der Waage" den Ausschlag.

Aus Sicht der Praxis, Gudrun Rau, Naturpark Saar-Hunsrück und Dr. Doris Pokorny, Biosphärenreservat Rhön gilt, geht es für ländlichen Regionen darum, sich wirtschaftliche Fundamente auf der Basis intakter Natur zum Beispiel im Tourismus, mit erneuerbaren Energien oder mit naturverträglich erzeugten regionalen Produkte zu schaffen. Solche integrierten Ansätze beruhen auf Partizipation der verschiedenen regionalen Akteure, ihrer Identifikation mit dem Gebiet und ihrem Engagement vor Ort. Solche Entwicklungsprozesse erfordern Innovations- und Experimentierbereitschaft, um die Stärken einer Region besser zu erkennen und zu nutzen. Das funktioniert dann am besten, wenn eine Aufbruchsstimmung mit Regionalsinn, Heimatverbundenheit und Selbstbewusstsein geschaffen wird.

Ein erfolgversprechender Ansatz liegt für ländliche Gebiete darin, als "lernende Region" verstärkt an der Entwicklung von Problemlösungskompetenzen zu arbeiten und innovative Lösungen zuzulassen und zu fördern. Deutlich wurde schließlich, dass Großschutzgebiete eine wichtige Beispielfunktion bei der naturgerechten Nutzung und Inwertsetzung des Naturkapitals übernehmen können. Diese Regionen zeichnen sich durch eine attraktive naturräumliche Ausstattung sowie ein Gebietsmanagement aus, das häufig über eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung und bei den regionalen Entscheidungsträgern verfügt. Regionalmarken wie im Biosphärenreservat Schaalsee und in der Rhön sind als Instrumente des Marketings für regionale Unternehmen und Produkte und der regionalen Imagebildung häufig eng mit Großschutzgebieten verbunden.

Zukunftsforum ländliche Entwicklung

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Letzte Änderung: 22.03.2012

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